Zwischenrufe und Zusammenhänge

Schriftstellerin Marlene S treeruwitz feiert 70. Geburtstag

Feiert am Sonntag runden Geburtstag: Marlen Streeruwitz.
Feiert am Sonntag runden Geburtstag: Marlen Streeruwitz. © APA/Hochmuth

„So ist die Welt geworden.“ heißt „Der Covid19 Roman“, an dem Marlene Streeruwitz seit 20. März schreibt, und dessen Episoden auf ihrer Homepage abrufbar sind. Am 28. Juni feiert die Schriftstellerin ihren 70. Geburtstag.

Mit „Flammenwand.“, einem „Roman mit Anmerkungen.“, in dem ein Monolog einer von ihrem Freund betrogenen Frau über Fußnoten mit einer Chronologie der österreichischen Innenpolitik verbunden wurde, war Streeruwitz im Vorjahr sowohl für den Österreichischen wie für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Doch auch in Zeiten ohne neue Buchveröffentlichung ist die Autorin stets präsent. Als politisch wachsame Bürgerin und streitbare Zeitgenossin mit dezidiert feministischer Haltung betätigt sie sich immer wieder in Zeitungsbeiträgen, Reden und Essays als Zwischenruferin, dennoch ist sie eine klare Anhängerin der großen Prosaform: „Der Roman ist das einzige Mittel, das Leben insgesamt und in allen Zusammenhängen auszudrücken”, sagte sie kürzlich in einem Interview. Diese Arbeit, in der sie meist auf kurze Sätze und im Titel stets auf einen abschließenden Punkt setzt, ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.

Von der Dramatikerin zur Prosaautorin

Marlene Streeruwitz wurde am 28. Juni 1950 in Baden geboren, studierte Slawistik und Kunstgeschichte, arbeitete als Journalistin bei einer Öko-Zeitschrift und für Aktionen der Landschaftswiederherstellung. Ab 1986 trat sie mit literarischen Veröffentlichungen und als Verfasserin von Hörspielen in Erscheinung. Die Uraufführungen von „Sloane Square.“ und „Waikiki-Beach.“ am Schauspielhaus Köln brachten ihr 1992 den Titel „Nachwuchsautorin des Jahres“ der Fachzeitschrift „Theater heute“ ein. Ihre Stücke sind ein souveränes, freies Spiel mit Zitaten, Figuren und Situationen quer durch Welt- und Literaturgeschichte. „New York. New York.“, „Ocean Drive.“ und andere Stücke sind auch eine Herausforderung für herkömmliches Theaterverständnis und traditionelle Bühnenregie. In den 1990er-Jahren betätigte sich Streeruwitz auch selbst als Regisseurin, später vor allem als Hörspielregisseurin. In „Hotel“ von Jessica Hausner hatte Streeruwitz auch einen Filmauftritt. In den letzten Jahren konzentrierte die Autorin sich auf Prosa.

1996 erschien ihr erster Roman „Verführungen.“, der ihr den Mara-Cassens-Preis einbrachte. In der für sie typischen, schmucklosen, stakkatoartigen Sprache erzählt sie darin die Geschichte einer allein erziehenden 30-Jährigen, die sich mit wechselndem Erfolg durch den Alltag kämpft. In der Folge erschienen u.a. der Roman „Nachwelt.“ (1999), die Erzählung „Majakowskiring.“ (2000) und die Romane „Partygirl.“ (2002) und „Jessica, 30.“ (2004). „Die Schmerzmacherin.“ (2011) brachte Streeruwitz ihre erste Nominierung für den Deutschen Buchpreis. 2014 landete sie mit „Nachkommen.“ einen literarischen Coup: Darin reist die für den Buchpreis nominierte Protagonistin Nelia Fehn mit ihrem Debütroman nach Frankfurt, wo sie tiefe Einblicke in die Literaturbetriebsmaschinerie erhält. „Nachkommen.“ schaffte es auf die Longlist, kurz vor der Buchmesse legte Streeruwitz dann auch noch Nelia Fehns Roman selbst vor.

„Covid 19 Roman“ seit Beginn der Krise

Von ihrem „Covid19 Roman“ sind bisher drei Serien mit 35 Episoden erschienen. In ihnen wird u.a. vor einem Lockdown-Faschismus und einem autoritären Hygienestaat gewarnt. „Betty ist mehr als jede andere literarische Figur verwandt mit mir“, sagte Marlene Streeruwitz dem Radiosender WDR 3. Und: „Solange diese Sache nicht in eine Normalität zurückgeführt wird, solange wird dieser Roman geschrieben werden müssen.“

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