Duell mit Deutschland: Viel mehr als Cordoba

Vor dem 41. Kräftemessen: Von Kantersiegen, Durststrecken und einer Fußball-Schande

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Lediglich neun Siegen stehen aus rot-weiß-roter Sicht bei sechs Remis gleich 25 Niederlagen gegenüber. Bevor es am Dienstag (20.45 Uhr) zur 41. Auflage dieses (auch auf freundschaftlicher Ebene) prestigeträchtigen, emotionalen Klassikers — nur gegen Ungarn (131 Spiele), die Schweiz (42) und Tschechoslowakei bzw. Tschechien (41) hat Österreich bisher öfter gespielt — kommt, werfen wir einen Blick in die Geschichtsbücher.

Das allererste Duell: Schon anno 1908 kommt es zum ersten Aufeinandertreffen, welches die Hausherren in Wien mit 3:2 für sich entscheiden können.

Das erste Bewerbsspiel: Bei Olympia 1912 in Stockholm setzt sich Österreich vor nur 2000 Zuschauern im Achtelfinale gegen Deutschland mit 5:1 durch — im Viertelfinale war dann aber gegen die Niederlande Endstation.

Die erste Pleite: Im sechsten Vergleich kassierte Österreich die erste Niederlage, setzte es 1922 in Wien vor 70.000 Anhängern ein 0:2.

Höchste Siege, bitterste Pleiten

Die höchsten Siege: Das Jahr 1931 war ein besonders erfolgreiches für Österreich in diesem Kräftemessen, denn dem Wunderteam um Matthias Sindelar gelangen die beiden höchsten Siege überhaupt gegen den großen Nachbarn. Kurz nach dem sensationellen 5:0 über (die bis dahin auf dem Kontinent ungeschlagenen) Schotten feierte das Team von Verbandskapitän Hugo Meisl in Berlin einen 6:0-Triumph. Nicht einmal vier Monate später folgte in Wien als Draufgabe noch ein 5:0. Es sollte der letzte Erfolg für 47 Jahre sein.

Die bittersten Niederlagen: Bei der WM in Italien 1934 war für Österreich im Halbfinale, auch „dank“ des offensichtlichen Heimschiedsrichters, im Halbfinale Endstation (0:1), das Spiel um Platz drei ging dann gegen Deutschland auch noch verloren (2:3).

Aus im Halbfinale, aber WM-Dritter

Noch bitterer dann aber wohl das Aus gegen Deutschland im WM-Halbfinale 1954. In Basel schlitterte das ÖFB-Team wenige Tage nach der kräfteraubenden Hitzeschlacht im Viertelfinale gegen die Schweiz (7:5) als Favorit in ein 1:6-Debakel gegen den späteren Weltmeister. Immerhin kehrte das Team um Ernst Happel, Gerhard Hanappi oder Walter Zeman nach einem 3:1 gegen Uruguay als WM-Dritter nach Hause zurück.

Erste Qualifikationsduelle: Für die EM 1972 wurden Österreich und Deutschland erstmals in eine Qualifikationsgruppe gelost, die Matches gingen gegen den späteren Europameister und Weltmeister (74) 0:2 und 0:1 verloren.

Sternstunde in Cordoba, die Schande von Gijon

Cordoba: 20 Jahre hatte es nach der Teilnahme 1958 gedauert, bis Österreich wieder an einer WM teilnehmen sollte — zu Ende ging sie mit einer echten Sternstunde. Zum Abschluss der Zwischenrunde, in der sich je vier Teams die Teilnahme an Finale und Spiel um Platz drei ausspielten, kam es in Cordoba zum längst legendären 3:2-Triumph Österreichs. Dabei hatte Rummenigge den noch regierenden Champion sogar in Führung gebracht. Doch ein Eigentor von Berti Vogts und zwei Treffer von Hans Krankl besiegelten beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Hölzenbein den Sieg Österreichs und damit auch das WM-Out Deutschlands, das zumindest theoretisch noch ins Endspiel einziehen hätte können. Legendär auch Reporter Edi Fingers Worte inklusive „I wer narrisch“ und … „dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen.“

Gijon: Vier Jahre später kam es bei der WM in Spanien zum erneuten Aufeinandertreffen, dieses Mal in der Vorrunde. Mit einer pikanten Ausgangsposition: Eine 0:1-Niederlage Österreichs reichte beiden Nationen zum Aufstieg und genau so kam es (auf Kosten Algeriens) dann auch nach einem unsäglichen Nicht-Angriffspakt ab ca. Minute 40. Die Konsequenz daraus: die letzten Gruppenspiele finden seitdem zeitgleich statt.

Wieder vier Jahre später kam es zum freundschaftlichen Duell in Wien anlässlich der Wiedereröffnung des nun überdachten Prater-Stadions.

Die Weinbergschnecke schlug zweimal zu

Stadion-Eröffnung: Ein Elfer-Doppelpack von Toni Polster und zwei Treffer von Reinhard Kienast, im Vorfeld von Bild-Kolumnist Max Merkel Zeitung als Weinbergschnecke tituliert, sicherten Österreich ein 4:1. Der erste Heimsieg seit 1931, es sollte der letzte Erfolg für 32 Jahre sein.

Das letzte Duell: Es folgten zunächst ein 0:0 in Nürnberg (wenige Tage nach dem Tod von Teamchef Ernst Happel) sowie neun zum Teil heftige Pleiten (zweimal 2:6, einmal 1:5 sowie 0:1 in der EM-Vorrunde 2008), ehe Österreich am 2. Juni 2018 in Klagenfurt im bisher letzten Duell über ein 2:1 jubeln durfte. Dabei stand die Partie in Klagenfurt ob heftiger Regenfälle sogar vor der Absage und wurde über eineinhalb Stunden verspätet angepfiffen. Dann sorgten Hinteregger und Schöpf (nach Rückstand, Tor Özil) für die Wende.

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