Advent: Warten auf den Erlöser

Den ersten Adventkranz in der Katholischen Kirche gab es 1924 in Köln

Um seinen Schülern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, feierte der evangelische Theologe Johann Wichern 1840 im Advent jeden Tag eine Andacht und zündete dabei eine Kerze an. Die Schüler stellten die Kerzen auf Reisig. Daraus entwickelte sich der heutige Adventkranz mit vier Kerzen.
Um seinen Schülern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, feierte der evangelische Theologe Johann Wichern 1840 im Advent jeden Tag eine Andacht und zündete dabei eine Kerze an. Die Schüler stellten die Kerzen auf Reisig. Daraus entwickelte sich der heutige Adventkranz mit vier Kerzen. © Diözese Linz/Appenzeller

Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, für die Katholische Kirche sind die Wochen bis zum Weihnachtsfest eine intensive Zeit. Das lateinische Wort „adventus“ bedeutet Ankunft. Christen feiern zu Weihnachten, dass Gott in seinem Sohn Jesus Mensch geworden ist. Im Warten auf den Erlöser wird die menschliche Sehnsucht nach Erfüllung des ausstehenden Glücks offenkundig.

Das Warten ist auch mit der Erfahrung verbunden, dass nicht alles Glück in unserer Hand liegt, sondern dass es dazu andere Menschen, geschenkte Zeiten und Orte, dass es dazu die Zuwendung Gottes braucht. Es ist an uns, eine Haltung an den Tag zu legen, die ein Wahrnehmen des Göttlichen in unserem Leben einfacher macht.

Gottes Zuwendung ist überraschend, manchmal befremdend, alltäglich und befreiend. Offen zu sein, um sich das Glück schenken zu lassen, das kann der Advent den Menschen vermitteln. Die Römer bezeichneten den ersten offiziellen Besuch eines Herrschers oder die Thronbesteigung eines Kaisers als „adventus“.

Die älteste Adventzeit wird in Spanien bezeugt, wo eine vierzehntägige Vorbereitungszeit vor dem Fest „Erscheinung des Herrn“ am 6. Jänner begangen wurde. In Rom wurden unter Papst Gregor I. im 6. Jahrhundert vier Sonntagsmessen mit adventlichen Gesängen vor dem Weihnachtsfest gefeiert. Anders hat sich der Advent in Gallien entwickelt, hier wurde diese Zeit als Fastenzeit begangen.

Vier Kerzen als Zeichen für Christus

Heute wird die Adventzeit in der Liturgie als Zeit der Vorbereitung und Erwartung bezeichnet. Mit dem 1. Adventsonntag – heuer am 3. Dezember – beginnt für die Kirche auch das neue liturgische Kirchenjahr.

Am Adventkranz werden nacheinander vier Kerzen angezündet, als Zeichen für Christus, die „Fülle des Lichtes“. Die Segnung der Adventkränze und der Kerzen in den Gottesdiensten am 1. Adventwochenende in den dunklen, winterlichen Kirchen ist ein Zeichen der Hoffnung.

Der Adventkranz ist ein junger Brauch. Der evangelische Theologe Johann Wichern (+1881) wollte in einem Schülerheim, die Zeit auf Weihnachten verkürzen. Seit 1840 feierte er im Advent jeden Tag eine Andacht und zündete dabei eine Kerze an. Die Schüler stellten diese 24 Kerzen auf Reisigzweige. Somit war der Vorläufer des Adventkranzes und -kalenders erfunden. Der erste Adventkranz in einer katholischen Kirche wurde erst 1924 in Köln verwendet.

Die dritte Kerze am Adventkranz hat oft eine andere Farbe, weil es am dritten Adventsonntag um die Freude auf das nahende Weihnachtsfest geht.

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