„Alpenkönig und Menschenfeind“ in Meggenhofen: Guter Geist in der Lederhose

Hoch motiviertes Ensemble, kluge Regie: Ein Glücksfall für einen Theatersommer

Fritz Egger als Rappelkopf, Peter Scholz als Alpenkönig © Theater Meggenhofen

Es ist ein Glücksfall für einen Theatersommer, wenn ein idealer Rahmen, ein hoch motiviertes Ensemble und eine kluge Regie zusammenfallen – so geschehen jetzt im Theater Meggenhofen mit der neuen Produktion von Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. Premiere des vom Dichter so benannten „romantisch-komischen Original-Zauberspiels“ war am Freitag. Zugleich wurde damit das 55-jährige Bestehen des Theaters im uralten „Kircheckerhof“ begangen.

Im Mittelpunkt des Stücks – es stammt ursprünglich aus dem Jahr 1828 – steht Rappelkopf, ein Mann mit allen denkbaren Eigenschaften des Misanthropen, eben des Menschenfeinds: Er hasst alles und jeden, seine Frau, seine Tochter, speziell deren Liebhaber, aber auch seine Bediensteten und selbst seine Möbel, die er im Verlauf des Stücks zertrümmert. Rappelkopf fühlt sich auch von allen belogen und hintergangen, ist misstrauisch bis zum Exzess und schafft damit ein Umfeld, das seine Mitmenschen kaum aushalten. Wobei eben diese Mitmenschen es aber gut und ehrlich mit ihm meinen.

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Auch Ansätze von Sozialkritik in Raimunds Stück kommen zum Tragen, wenn Rappelkopf, um menschenfern zu leben, mit ein paar Geldscheinen einer Köhlerfamilie ihr Zuhause nimmt. Berührend das bekannte Abschiedslied „So leb denn wohl, du stilles Haus …“.

Heilsamer Perspektivwechsel

Angesichts dieser Situation greift der Alpenkönig ein, versucht zuerst, Rappelkopf in Güte die Augen zu öffnen, schließlich greift er zu einer Methode, die durchaus modernen therapeutischen Charakter hat: durch einen Wechsel der Perspektive – im Stück eine Verwandlung – sieht Rappelkopf sich selbst, er erkennt sein falsches Verhalten, sein Unrecht gegenüber seinem Umfeld. Diese „Selbsterkenntnis“ führt dazu, dass er sich ändert und schließlich zum – wörtliches Zitat – „pensionierten Menschenfeind“ wird.

Regisseur Martin Leutgeb gelingt es, Raimunds Zaubermärchen erheblich zu „entzaubern“, der Aspekt des Mystischen und Geisterhaften tritt in den Hintergrund. Damit wird die Handlung nicht nur gestrafft, der Inhalt gewinnt an Aktualität auch für die heutige Zeit. Denn Menschen, die von Misstrauen und Angst, von Hass und Misanthropie geprägt sind, gibt es nicht zu knapp auch im 21. Jahrhundert.

Der Alpenkönig als Psychotherapeut

Ein entscheidender Kunstgriff Leutgebs in diesem Zusammenhang ist, dass er den Alpenkönig nicht als fernen und gefürchteten Geist zeichnet, sondern als lebensnahen, sympathischen Mann in Lederhose, mit Trachtenjanker und Blumenhut. Der Alpenkönig sozusagen als Psychotherapeut. Die Musik, live und bodenständig, passt sich kongenial der Gesamtinszenierung an.

Der weitgehend im Originalzustand erhaltene Bauernhof verleiht dem Geschehen von vornherein eine spezielle Atmosphäre, es bedarf dann nicht mehr vieler Kulissen und Dekorationen. Ein weißer Vorhang genügt, um die Szenen abzugrenzen, vor allem aber bietet der Innenhof direkt vor dem Publikum ein perfektes Areal für die mehr als 20 Darstellerinnen und Darsteller, sowohl Berufsschauspieler als auch Laien bis hin zu den mit viel Begeisterung und „professionell“ agierenden Kindern.

Eine perfekte Ensembleleistung, einzelne Akteurinnen und Akteure hier vor den medialen Vorhang zu holen, wäre allen anderen gegenüber unfair. Der Schlussapplaus nach – inklusive Pause – kurzweiligen und turbulenten zweieinhalb Stunden war nachhaltig. Und, was ebenso wichtig ist: Die künftigen Vorstellungen sind bereits so gut gebucht, dass zusätzliche Aufführungstermine angesetzt werden mussten.

Von Werner Rohrhofer

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