Esther Graf löst für das Debütalbum die Handbremse

Kärntnerin Esther Graf präsentiert ihr Debütalbum © APA/Sony Music/Linda Carl

Die Kärntnerin Esther Graf hat für ihren Song „Mama hat gesagt“ Sido als Gast gewonnen und in Deutschland Erfolge gefeiert. Nach Singles und EPs veröffentlicht die 25-Jährige morgen, Freitag, ihr Albumdebüt „Happy Worstday“. „Alles, was schon da war, klingt noch doller und mit weniger angezogener Handbremse. Ich habe aber auch Mut zu ruhigeren Songs gehabt“, beschreibt sie ihr Longplayer-Debüt. Graf spricht im APA-Interview über Ehrgeiz, Stress, Wut und Traumkollaborationen.

Nach dem passenden Albumtitel habe sie lange gesucht, obwohl es einen gleichnamigen Song gibt, erzählt die energiegeladene Künstlerin. Sie wollte etwas Neues, das auch die Musik widerspiegelt. „Und viele meiner Songs haben einen pop-punkigen Einfluss. Das fasst der Titel ‚Happy Worstday‘ gut zusammen. Ich habe mir getraut, alles um eins intensiver zu machen.“ Zugleich zeigt sie ihre sanftere Seite: „Ein Lied über meine Schwester zum Beispiel ist deutlich intimer geworden als alles, was ich bisher gemacht habe.“

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Die Sängerin und Songschreiberin hat ihre inhaltliche Themenpalette erweitert. „Das war mir sehr wichtig“, nickt sie. „Denn in meiner Musik dreht sich viel um Liebe und Herzschmerz, Themen, die mich in meinem Leben beschäftigen. Aber ich bin draufgekommen, dass die Leute bisher nur einen Bruchteil von dem wissen, wer ich als Mensch bin, wofür ich stehe.“ Texte auf dem Album sollen dem entgegensteuern.

Mit vier Produzenten wurden die 15 Songs ausgearbeitet. Graf hatte mehr als nur ein entscheidendes Wort mitzureden. „Alles muss schließlich so authentisch wie möglich klingen“, betont sie. „Es sollte alles wie in einem Guss zusammenkommen, in sich schlüssig sein. Ich war sehr detailverliebt, habe die Tracklist hundert Mal umgeworfen. Das Album sollte nicht einfach 15 Songs sein, sondern eine Geschichte erzählen. Mein erstes Album sollte sitzen, einfach geil und für mich eine Meilenstein sein.“

Drei Gäste sind auf „Happy Worstday“ vertreten, „alles Traum-Features“, schwärmt Graf. Der deutsche Rapper und Sänger Montez wirkt ebenso mit wie sein Landsmann und Kollege Bausa. Mit der deutschen Sängerin Elif performt sie den Song „SOS“: „Der Text behandelt Stress und Wut, darauf ist Elif gleich angesprungen. Ich glaube, mit der Thematik können sich viele identifizieren. Stress beeinflusst unsere Generation enorm. Ich fand’s ganz gut, dass wir beide einen Song gemacht haben, der nicht von Liebe handelt.“

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Da will man natürlich wissen, wodurch sich Graf selbst unter Druck gesetzt fühlt. „Ich bin eingegraben in Deadlines. Und als Artist arbeitet man mit vielen Menschen zusammen, aber man weiß, am Ende steht und fällt alles mit einem selbst“, sprudelt es aus ihr heraus. „Als Frau muss man sich immer wieder sagen lassen, welchen Kriterien man entsprechen muss, um als Künstlerin im deutschsprachigen Raum erfolgreich zu sein. Das sind Sachen, die stressen oder wütend machen. Und Social Media! Mich triggert es, wenn ich merke, dass ich an einem Tag noch nichts gepostet habe.“

Ihre Hauptzielgruppe sind junge Frauen, das ist Esther Graf durchaus bewusst. „Aber es gibt sehr viele Männer, die ich gerne ich auf meinen Konzerten sehen will“, lacht sie herzhaft. „Es ist noch nicht zu 100 Prozent angekommen, dass ein Mann von einer Frau auch richtig Fan sein kann“, meint sie – und fügt noch einmal auflachend hinzu: „Kreischende Männer bei einer Frau auf der Bühne, dieses Konzept kennt man nicht.“

Die Wahlberlinerin ist klug, nicht nur auf Social Media und Streaming zu setzen. „Ich freu mich, wenn etwas auf TikTok funktioniert und ich Leute außerhalb meiner Bubble erreiche“, nickt sie. Aber ihre „Superfans“, die ihre Produkte kaufen und zu den Konzerten kommen, seien „langfristig die wichtigsten“. Nachsatz: „Das Pensum, das ich mir derzeit gebe, kann ich vielleicht noch zwei Jahre durchziehen, aber irgendwann komme ich an meine Grenzen.“ Darum gelte es, jetzt eine Basis aufzubauen, um nach einer Pause nicht wieder von Null anfangen zu müssen.

Im Herbst tourt Esther Graf durch Österreich. Sie tritt am 23. Oktober in der Szene Wien, tags darauf im Rockhouse Salzburg und am 25. Oktober im PPC Graz auf.

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

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