Hinreißende „Csardasfürstin“ in der Badener Sommerarena

Baden lockt diesen Sommer mit einer temporeichen, vergnüglichen Inszenierung © APA/Christian Husar/BuehneBaden/Christian Husar

In der frisch renovierten Sommerarena der Bühne Baden hat die Saison am Freitagabend bei Saunatemperaturen mit der Premiere von Emmerich Kálmáns Operette „Die Csardasfürstin“ in einer hinreißenden Inszenierung von Ruth Brauer-Kvam begonnen. Großer Beifall für einen eindrucksvoll geglückten Abend.

Schauplatz des ersten Teils ist ein jüdisches Kabarett in Budapest namens Orpheum. Brauer-Kvam verlegt die Handlung des 1915 uraufgeführten Werks in das Jahr 1934. „Eine Zeit, in der jüdische Kultur nicht verboten war, die Gefahr aber schon in der Luft lag“, so die Regisseurin, die durchaus auch gewisse Parallelen zur Gegenwart zieht und ihre Inszenierung auch als Hommage an den jüdischen Humor versteht.

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Für Historiker mag da nicht immer alles ganz stimmig wirken, auch fragt man sich, warum manche Texte verändert wurden. So wird „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ zu „Ganz ohne Liebe geht die Chose nicht“: ein Zugeständnis an sprachliche Correctness oder an den Gendergeist? Letzteres lässt sich vermuten angesichts einer sehr bunten, durchaus auch queeren Gesellschaft, die sich geradezu artistisch auf der Bühne tummelt. Dass Brauer-Kvam auch die Choreografie für Solisten und Chor übernommen hat, ist ein Gewinn für den Gesamteindruck.

Moralischer Bierernst ist zum Glück nicht spürbar, vielmehr wird das temporeiche Geschehen mit wohldosierten Slapstick- und Comedy-Elementen versetzt. Dass diese Rechnung aufgeht, ist wohl auch einem erstklassigen Ensemble zu verdanken, allen voran die israelische Sopranistin Alma Sadé, Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin: Die Partie der Sylva Varescu verkörpert sie mit glänzender Bravour.

Ihr zur Seite gibt Iurie Ciobanu den Grafen Edwin sympathisch souverän und verlässlich, Ricardo Frenzel Baudisch ist ein komödiantischer Graf Boni, Tania Golden schlüpft in die Conferencier-Rolle des Feri Bacsi, Verena Scheitz bewährt sich als köstliche Fürstin, Oliver Baier als ihr schnöseliger Gemahl Leopold Maria, Florian Stohr zeigt Wandlungsfähigkeit in drei Rollen, Anna Overbeck spielt die Komtesse Stasi.

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Nicht zu vergessen die drei Bühnenmusiker: Den virtuosen Primgeiger Sandor Javorkai mit seinem freundlichen Anteil nehmenden Mienenspiel zu beobachten, wie er augenzwinkernd Kontakt mit Publikum und Mitwirkenden aufnimmt, ist schon für sich allein ein Vergnügen. Sehr ästhetisch sind das Bühnenbild von Monika Rovan und die von Ursula Gaisböck gestalteten Kostüme, Requisiten wie riesige Straußenfedern werden geradezu ironisch eingesetzt, wie überhaupt die Inszenierung dem Kitsch durch Übertreibung beikommt. Am Pult des Orchesters der Bühne Baden muss Christoph Huber noch manchen Überschwang synchronisieren. Insgesamt sicher ein Trumpf im diesjährigen Theaterfest-Sommer.

(Von Ewald Baringer/APA)

Bühne Baden, Sommerarena: Emmerich Kalman, „Die Csardasfürstin“. Regie: Ruth Brauer-Kvam, musikalische Leitung: Christoph Huber, mit Alma Sadé, Irie Ciobanu, Ricardo Frenzel Baudisch, Tania Golden, Anna Overbeck, Verena Scheitz, Oliver Baier, Florian Stohr. Weitere Vorstellungen bis 23. August. Information und Tickets: Tel. 02252/22522, buehnebaden.at

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