Mythos Don Quixote: Drei Sichtweisen

Bruckner Orchester unter Lawrence Foster im letzten Konzert des Großen Abos im Brucknerhaus

Unter dem Motto „Don Quixote tanzt“ bot das letzte Saison-Konzert im Großen Brucknerhaus-Abo am Donnerstag eine interessante Gegenüberstellung von drei Kompositionen zur ewig jungen gleichnishaften Geschichte des seltsamen Ritters Don Quixote. Das Bruckner Orchester spielte in großer Besetzung unter der energischen Leitung Lawrence Fosters (Jg. 1941), dessen altersbedingte Auftritts-Mühen sich im Jungbrunnen des Dirigierens hurtig verflüchtigten.

Dramatisch und satirisch

Am Beginn des Abends war Viktor Ullmanns Ouvertüre „Don Quixote tanzt Fandango“ zu hören, die er 1944 im Lager Theresienstadt knapp vor seinem Tod geschaffen hatte. Die überwiegend tonale Musik erweckte den Eindruck eines elegischen Rückblicks, durchsetzt von Momenten schicksalhaften Aufbegehrens und parodistischen Tanz-Elementen. Jaques Ibert schrieb knapp vor Ausbruch des 2. Weltkriegs eine post-impressionistische Ballettmusik, „Le chevalier errant“, die ebenfalls das Thema Don Quixote in einer viersätzigen Suite dramatisch wie satirisch durchleuchtet. Der Dirigent legte zwar Wert auf dynamische Konturen, und das Orchester agierte diszipliniert: Doch die lange, anstrengende Saison war ihm in einem dominant dahinplätschernden Mezzoforte anzumerken.

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Krönender Abschluss mit Richard Strauss

Ganz anders im krönenden Abschluss des Konzerts, Richard Strauss` 1897 vollendete sinfonische Dichtung „Don Quixote“, die er als „Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters“ betitelt hatte. In der Interpretation des zwölfteiligen Werkes zeigten sich alle Beteiligten putzmunter: Vor allem die Solisten Christoph Heesch, Cello (Don Quixote), Benedict Mitterbauer, Viola (Sancho Pansa), und Konzertmeister Jakob Meining (Dulcinea?) legten eine ausgezeichnete Performance hin, die alle Orchestergruppen zu intensiven Leistungen motivierte. So gelang es Strauss` forderndem Meisterwerk, die vorangehenden, aber viel später komponierten Stücke des Abends in der Publikumswirkung deutlich zu überflügeln. Großer Schlussapplaus vor allem für Heesch, und: Ende gut, alles gut.

Von Paul Stepanek

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