41. Donauinselfest endet mit Wanda-Triumph

Bejubelter Auftritt der heimischen Star-Combo zum Finale © APA/FLORIAN WIESER

Das 41. Wiener Donauinselfest konnte zum Abschluss mit einem bejubelten Highlight aufwarten: Mit Wanda machte eine der bekanntesten österreichischen Bands dem Eiland ihre Aufwartung, wo sie bereits wiederholt zu Gast war. Wer befürchtet hatte, die gedämpfte Grundstimmung des aktuellen Longplayers „Ende nie“ könnte auch der Insel einen melancholischen Auftritt bescheren, wurde rasch eines Besseren belehrt.

An sich hat die Wiener Rockband schwierige Monate hinter sich. Im Jahr 2022 starb Keyboarder Christian Hummer, Sänger Marco Wanda musste sich zudem im Vorjahr von seinem Vater verabschieden. Das alles fand Niederschlag im neuen Album „Ende nie“, dem bereits sechsten Wanda-Longplayer. Und auf Trauerarbeit wurde auch heute nicht verzichtet. An das verstorbene Bandmitglied wurde live on stage erinnert. „Er hat euch fucking geliebt, alle“, versicherte Marco Wanda.

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Der Gig wurde damit zu einer Art Tributkonzert. Der Begeisterung tat das Gedenken keinen Abbruch, im Gegenteil. Schon beim Opener, dem Riesenhit „Bologna“, schwappte die Euphorie auf die Zehntausenden Menschen über, die sich dicht auf der großen Wiese drängten. Auf der Fläche vor der Mainstage gab es bald kaum mehr ein Durchkommen. Die Wandas gastierten bereits zum dritten Mal auf dem Donauinselfest. 2015 feierten sie Premiere auf der damaligen FM4-Bühne am nördlichen Ende des Festgeländes (heute Rockbühne, Anm.). 2018 wurde dann schon die große Stage bespielt.

In der durchaus schon längeren Schaffenszeit hat die Combo bereits zahlreiche Klassiker veröffentlicht. Lieder wie „Flaschen von gestern“, „Luzia“, „1,2,3,4“ oder „Columbo“ oder „Bussi Baby“ gehören zum Standardrepertoire. Sie wurden auch beim diesjährigen Insel-Gig serviert und lauthals vom Publikum mitgesungen. Vom neuen Album gab es unter anderem den Song „Wachgeküsst“ zu hören sowie, besonders berührend: „Bei niemand anders“.

Es ist jenes Lied, das auch als erste Single aus der neuen LP ausgekoppelt wurde und wartet mit Textzeilen wie „Wenn du glaubst, dass es endet bin ich da und ich halt dich fest“ oder „Ich will dass du ewig lebst und bis dahin sollst du glücklich sein“ auf. Lichter aus Tausenden Handys untermalten das Geschehen.

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Marco Wanda zeigte sich letztendlich überwältigt vom heutigen Abend. „Ich bin einfach sprachlos, es ist so viel fucking Liebe hier.“ Unterstützt wurde die Band zwischenzeitlich auch von prominenten Austropop-Gästen. Mit Boris Bukowski wurde dessen Evergreen „Kokain“ intoniert. Der Nino aus Wien wiederum gab „No a bissl foischer“ zum Besten.

Vor dem Wanda-Finale gastierte die deutsch-kanadische Sängerin Alice Merton auf der Ö3-Bühne. Sie hat ebenfalls schon Inselfest-Erfahrung und präsentierte unter anderem aktuellere Stücke wie „Run Away Girl“, das als Opener aufgetischt wurde, oder das mit perfektem Mitsing-Refrain ausgestattete „Waste My Life“. Auch ihr Superhit „No Roots“ aus dem Jahr 2016 durfte naturgemäß nicht fehlen. Die eingängigen Popnummern fanden am lauen Eiland-Sommerabend sichtlich viel Zuspruch.

Die Bühnengestaltung vermittelte dabei einen zu den heutigen Klimabedingungen passenden Hauch von mittlerem Westen: Grasballen und ein rostiges Ölfass waren dekorativ postiert worden. Alice Merton ersuchte die Insulaner zudem wiederholt, zu ihrer Musik doch ein paar Tanzschritte zu wagen. Sorgen, dass man sich dabei blamieren könnte, zerstreute sie mit einem Geständnis: „Ich finde, ich tanze wie ein Vollidiot.“

Auch der in Island geborene und hierzulande aufgewachsene Musiker Thorsteinn Einarsson absolvierte einen Auftritt auf der Festbühne – genauso wie die einstige Castingshow-Teilnehmerin und Amadeus-Gewinnerin Ness sowie die deutsche Sängerin Loi, die vor einigen Jahren mit der Single „Gold“ einen Hit landete.

Ness durfte bzw. musste ihren Auftritt noch in der Nachmittagshitze absolvieren. „Oh mein Gott, es ist so heiß“, konstatierte sie. Ness veröffentlichte im Vorjahr ihre EP „Betrunken“, deren Titelsong anders als man vermuten könnte, keine Ballermann-Partyhymne ist. Tatsächlich handelt es sich um eine melancholische Trennungs-Ballade. Doch auch beatlastigen Elektropop hat die junge Sängerin im Repertoire.

Für großen Jubel sorgte ein Gastauftritt. Ness outete sich zunächst als Fan des deutschen Musikduos HE/RO, das zuvor unter dem Namen Die Lochis unterwegs war. Dass die beiden Jungs sich dann zu ihr auf die Bühne gesellten, war ein sichtlich gelungener Überraschungseffekt.

Auch Loi sorgte im Anschluss für gute Stimmung. Ihrer Aufforderung, Menschen in den Arm zu nehmen, die man gern hat, kam die anwesende Inselschar – die zu einem Gutteil in der prallen Sonne ausharrte – aber dann doch nicht flächendeckend nach.

Das von der Wiener SPÖ veranstaltete Donauinselfest geht traditionell in einem der beliebtesten Naherholungsgebiete über die Bühne – oder genau genommen über viele Bühnen. An den insgesamt drei Tagen wurde heuer auf 14 Stages insgesamt 700 Stunden Programm geboten. Der Eintritt zur Mega-Sause war wie üblich frei.

Das Gelände erstreckte sich über 4,5 Kilometer. Auf insgesamt 17 Themeninseln wurden jedoch nicht nur Konzerte, sondern ein buntes Sport-, Tanz-, Kabarett- und Kinderprogramm geboten. Herzstück war jedenfalls die Festbühne, die sich auch in diesem Jahr wieder FM4, Radio Wien und Ö3 teilten.

Das Staraufgebot war auch in den Aufgeboten in den vergangenen Tagen schon beträchtlich. Stars wie Ronan Keating, Voodoo Jürgens, Wolfgang Ambros oder Christina Stürmer machten der Insel ihre Aufwartung. Wie viele Besucherinnen und Besucher über das Areal flanierten, ist hingegen nicht bekannt. Zahlen dazu werden seit einigen Jahren nicht mehr veröffentlicht.

Ganz ohne die im Vorfeld angekündigten Klimaproteste ging das Event nicht über die Bühne. Am Sonntag wurde von Aktivistinnen und Aktivisten orange gefärbte Maisstärke von einer Gondel – die zu einer Fest-Attraktion gehörte – gestreut. Auch ein Transparent mit der Aufschrift „Wir sind die Letzte Generation vor den Kipppunkten“ wurde an einer zur Donauinsel führenden Brücke entrollt.

(Von Gerald Mackinger/APA)

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