„Run Wild In It“ als Tarot-Improvisation im Kosmos Theater

Sara Ostertag magisch anmutendes Scheinritual © APA/Kosmos Theater/Apollonia Theresa Bitzan

Es ist ein magischer Abend im besten Wortsinn: „Run Wild In It“ heißt die neue Koproduktion des Kosmos Theaters mit makemake produktionen, und ob es sich bei dieser Uraufführung nun um ein Konzert, eine Performance oder ein „Spiel mit der Deutung“ handelt, wurde bei der Premiere am Freitagabend der Interpretation des Publikums überlassen. Denn was bei den jeweiligen Aufführungen passiert, hängt allein von jenen elf Tarot-Karten ab, die die Zuschauer zu Beginn ziehen.

Ob es nun einfach Glück oder Schicksal ist, was man in diesen 45 bis 60 Minuten zu hören, zu sehen und zu trinken bekommt, liegt in der individuellen Einstellung zum Übersinnlichen. Fest steht: Sara Ostertag, die im Herbst 2025 als Direktorin das Theater an der Gumpendorfer Straße übernimmt, hat einmal mehr einen ungewöhnlichen Abend geschaffen, der in seinen Bann zu ziehen vermag. Zentrum des mit viel Improvisation spielenden Abends ist die dreiköpfige Band rund um den Musiker Paul Plut, die zum Auftakt unter neonfarbenen Tüll-Tüchern versteckt an den Instrumenten sitzt, während Dolores Winkler als einnehmende Zeremonienmeisterin in den Abend einführt. „Die Karten sind gezählt“, heißt es da, oder „Die Geister steh’n schon habt acht“. Unter einem weißen Schleier wandelt Martina Rösler durch die Zuschauerreihen und ermutigt dazu, eine der überdimensionalen Karten zu ziehen, die Titel wie „Magician“, „The Devil“ oder „High Priestess“ tragen.

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Auf Basis dieser Auswahl entspinnt sich ein Abend, in dem nur ein Teil der vorbereiteten Szenen bunt durcheinander gewürfelt auf das kreisrunde Podium gebracht wird. Dass man das Gezeigte vielleicht doch ernster nehmen könnte, als man im ersten Moment vorhaben mag, zeigt einer jener Textfetzen, die der Autor Amir Gudarzi für diesen Abend verfasst hat: „Wenn du sagst, du glaubst nicht an Magie, dann frage ich dich: Glaubst du an Kunst?“, heißt es da. Und: „Glaubst du an den unsichtbaren Vorgang, der die Welt und die Menschen in ihr verändert?“

Und so lässt man sich besser auf die einzelnen Szenen, in der wahlweise Pluts düster-bissige Songs erklingen, sich Rösler in einem Mini-Pool aus Schleim rekelt oder Winkler kurze Monologe über das Wirken von Scheherazade hält, ein. Mal regnet es aus dem Schnürboden („The Force“), mal wird im Publikum Schnaps verteilt („The Devil“), ein andermal passiert einfach nichts und man geht zur nächsten Szene über, deren Titel jeweils auf einem runden Screen über dem Schlagzeug eingeblendet werden. Und so entsteht ein magisch anmutendes, bisweilen auch komisches, in jedem Fall aber packendes „Ritual“, das nicht von Ungefähr zur Sommersonnenwende zur Uraufführung gekommen ist.

(Von Sonja Harter/APA)

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„Run Wild In It“, Koproduktion von Kosmos Theater und makemake produktionen. Weitere Termine: 22. Juni, 19 und 21 Uhr im Kosmos Theater sowie von 28. bis 30. Juni im Rahmen der Tangente St. Pölten. Regie: Sara Ostertag, Komposition: Paul Plut, Bühne: Nanna Neudeck, Kostüme: Mael Blau, Texte: Amir Gudarzi und makemake produktionen. Mit Julian Pieber, Paul Plut, Nastasja Ronck, Martina Rösler und Dolores Winkler. kosmostheater.at

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