Theater Phönix Linz – „Love Letters“ als Hommage an Ingrid Höller

Spielplan 2024/25 mit sechs neuen Produktionen - Erstmals startet eine Volksbühne

„Love Letters" mit Gabriele Deutsch und Ferry Öllinger © Zoe Goldstein

„Spiel, Satz, Stück“ heißt das Leitmotiv der Saison 2024/25 des Linzer Theaters Phönix. Denn das Programm sei darauf ausgerichtet, „die Sprachenvielfalt des Mediums Theater darzustellen“, erläuterte Theaterleiterin Silke Dörner bei der Programmpräsentation am Mittwoch. Der Bogen spanne sich von klassischen Stoffen über Bewegung bis hin zu Musik. Sechs neue Produktionen, darunter drei Uraufführungen, sowie zum ersten Mal das Format „Phönix:Volksbühne“ stehen auf dem Spielplan.

Böll, ein eigenes Stück und Liebesbriefe

Am 19. September eröffnet Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ in der Bühnenfassung von John von Düffel die Saison. Eine durch Medien ausgelöste Verleumdungskampagne lässt eine Frau zum Opfer werden, das tötet. In Zeiten von Social Media sei diese Thematik aktueller denn je, so Dörner.

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Am 5. Dezember wird unter dem Arbeitstitel „Tempo“ eine rhythmische Stückentwicklung von Felix Hafner und dem Hausensemble uraufgeführt. Dabei dreht sich alles um das Thema Beschleunigung in Text und (Schlagzeug)-Musik. Dazu kooperiert das Theater mit dem Institut für Jazz und Improvisierte Musik der Anton Bruckner Uni.

Die szenische Lesung „Love Letters“ von A.R. Gurney in der deutschen Fassung von Inge Greiffenhagen und Daniel Karasek kommt zwei Saisonen später als geplant ab 23. Jänner 2025 auf die Bühne. Ursprünglich hätten die beiden „Haudegen“ des Phönix, Ferry Öllinger und Ingrid Höller, gespielt. Mit dem überraschenden Tod Höllers Anfang 2023 wurde das Stück erst vom Spielplan genommen und dann nochmal eine Saison geschoben. Jetzt werde es mit Öllinger und Gastspielerin Gabriele Deutsch, die Höllers Part übernimmt, eine „Hommage“ an die verstorbene Schauspielerin, mit der Inszenierung „verneigen wir uns vor ihr“, so Dörner.

Minidramen im ganzen Haus

„Eigentlich fehlt uns nur noch … was uns halt nicht fehlt“ ist als Stationentheater im Haus angelegt. Vier junge Autoren schreiben Minidramen, die im Saal, auf dem Balkon, in der Bar und wieder im Saal gezeigt werden. Noch sind die Stücke im Entstehen, Uraufführung ist am 20. Februar. Eine klassische Komödie über die Überheblichkeit der Elite hat mit „Bunbury oder die Bedeutung des Ernstseins“ von Oscar Wilde in der Übersetzung von Felix Paul Greve am 30. April Premiere.

Kooperationen mit Schäxpir und eine Volksbühne

Die letzte Uraufführung der Saison 2024/25 „Eine neues Stück“ entsteht in Zusammenarbeit mit dem Schäxpir-Festival Linz. Im Zentrum stehen die Themen Ressourcen und Nachhaltigkeit, mehr war vorerst noch nicht bekannt. Ebenfalls in Kooperation mit Schäxpir gibt am 25. Juni die „Phönix:Volksbühne“ ihren ersten Auftritt. Gemeinsam mit dem Verein Makart soll ein Bürger- und Bürgerinnentheater entstehen. Davor gibt es acht Module, von einer Schreibwerkstatt bis hin zu einem Theatergrundlagentraining. „Wir wollen Menschen aus Linz und Umgebung auf die Bühne bringen“, verfolgte das Phönix schon länger die Projektidee eines Volkstheaters.

Die performative Varieté-Reihe „balkon:dienstag“ mit dem Linzer Urgestein Patrik Huber wird fortgesetzt. Am 29. Oktober geht es mit „In the end love remains – Georgie Gold’s letzte Show“ los. Das Ensemble wird künftig mit Melanie Sidhu, Karina Pele, Lukas Weiss, Martin Brunnemann und Gina Christof nur mehr aus fünf Mitgliedern bestehen. Mirkan Öncel verlasse aus privaten Gründen das Haus, aus „ökonomischen Gründen“ werde seine Stelle nicht nachbesetzt, hieß es in der Pressekonferenz.

Und das, obwohl das Theater auf eine „sehr erfolgreiche Saison 2023/24“ zurückblicke, wie Dörner meinte. Mit 12.692 Besuchern sei man fast wieder auf dem Niveau vor Corona. Die Auslastung betrug gut 73 Prozent. Insgesamt wurden 186 Vorstellungen gegeben, acht wurden wegen Erkrankung abgesagt, präsentierte Geschäftsführerin Olivia Schütz die Zahlen für die mit 30. Juni zu Ende gehende Saison.

Das Budget betrug rund 1,7 Millionen Euro, was für das Theater herausfordernd sei. Eine Einmalzahlung von 50.000 Euro, die die Stadt im Rahmen eines 250.000-Euro-Theaterpakets zur Absicherung für fünf private Linzer Theater Ende Juni im Gemeinderat beschließen wird, diene „zum Stopfen“, so Schütz.

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