Weißfleckenkrankheit ist enorme psychische Belastung

Ein Drittel der Betroffenen leiden unter Angststörungen, jeder vierte Patient unter Depressionen

Beautiful woman with vitiligo skin posing in studio. Concept

Rund 0,5 bis zwei Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Vitiligo, der Weißfleckenkrankheit. Allein in Österreich sind rund 100.000 Personen betroffen. Ausgrenzung und psychische Belastungen für Erkrankte sind groß, wie eine internationale Studie dazu zeigt.

Demnach sind Schwimmbad- oder Strand-Besuche für 55 Prozent der Betroffenen schwierig, bloßes Händeschütteln zur Begrüßung für fast 50 Prozent der Betroffenen ein Problem und Friseurbesuche empfinden 45 Prozent belastend.

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Die Krankheit gilt nach wie vor als unheilbar, aber die gute Nachricht ist: Sie ist behandelbar. „Mit modernen Therapien gelingt es immer öfter, zufriedenstellende Behandlungserfolge zu erzielen“, bekräftigt Prof. Josef Auböck, Dermatologe mit langjähriger Erfahrung und Wissen um die psycho-soziale Belastung durch Vitiligo.

Weiße Flecken im Gesicht oder auf der Halsregion

Vitiligo kann Männer wie Frauen gleichermaßen treffen und entwickelt sich meist zwischen dem zehnten und dem 30. Lebensjahr. Die weißen Flecken zeigen sich bei fast jedem Zehnten im Gesicht und auf der Halsregion, bei knapp 20 Prozent der Betroffenen treten die weißen Flecken auf Händen und Armen auf, weitere betroffene Körperstellen sind Rumpf, Beine/Füße und die Genitalregion.

40 Prozent erleiden durch Vitiligo viele Einschränkungen im Alltag. Sei es durch die Wahl der Kleidung, um weiße Flecken zu verdecken bzw. die Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Erheblichen Zeitaufwand kann weiters das Überschminken erfordern, um die Haut gleichförmig zu tönen.

58 Prozent leiden unter Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl

Vitiligo ist jene chronische Hauterkrankung mit der dritthöchsten Belastung bzw. Einschränkung hinsichtlich der Lebensqualität. Das wird durch aktuelle Studien untermauert: 58 Prozent der Betroffenen leiden unter negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl.

„Menschen mit Vitiligo fühlen sich gehemmt, ängstlich, niedergeschlagen und frustriert“, schildert Auböck aus seinen Erfahrungen mit Betroffenen. Ein Drittel leidet unter Angststörungen, jeder vierte Patient unter Depressionen. Stigmatisierung. Insbesondere Ekelgefühle haben über 40 Prozent der Personen mit Vitiligo bereits erlebt.

Ausgrenzungen in der Öffentlichkeit – von widerstrebenden Blicken und verbalen Äußerungen bis hin zur Verweigerung eines Händedrucks bzw. einer Berührung – passieren auch heute noch. „Einige Blicke und Bemerkungen hätte ich mir gerne in meinem Leben erspart …“, sagen Betroffene.

Vitiligo ist nicht ansteckend

Jede Ausgrenzung der Betroffenen vergrößert den Leidensdruck erheblich. „Personen mit Vitiligo sind einem fünfmal höheren Risiko ausgesetzt, an einer Depression zu erkranken“, sagt Auböck. Der Experte rät ihnen, unbedingt einen Facharzt aufzusuchen und die Möglichkeiten zur Behandlung zu nutzen.

Sein Aufruf zum Facharztbesuch richtet sich an die hohe Zahl Betroffener in Österreich, die nach der Diagnose keinerlei Behandlung erhalten und ihre Krankheit mit all den begleitenden Belastungen hingenommen haben. Da die Erforschung der Krankheit Fortschritte macht, kann die Behandlung an die neuesten Erkenntnisse bzw. die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden.

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