Architekt Mühlböck: Wenn das Mühlviertel mit Japan schwanger wird

Innenarchitekt Martin Mühlböck setzt bei seiner Arbeit auf regionale Materialien und Einflüsse anderer Kulturen

Ästhetik, Funktionalität und Reduziertheit stehen in den von Martin Mühlböck (r. oben) gestalteten Räumen im Vordergrund. Sein eigenes Haus (l. unten) hat er an den typischen Mühlviertler Stadel angelehnt.
Ästhetik, Funktionalität und Reduziertheit stehen in den von Martin Mühlböck (r. oben) gestalteten Räumen im Vordergrund. Sein eigenes Haus (l. unten) hat er an den typischen Mühlviertler Stadel angelehnt. © mühlböck küche.raum gmbh

Hoch über der Donau thront in St. Martin im Mühlkreis Schloss Neuhaus, ein beeindruckendes uraltes Gemäuer inmitten herrlicher Natur und mit atemberaubendem Ausblick. Hier findet Martin Mühlbock, Innenarchitekt, Tischler und Designer, Inspiration.

Was er plant, ist vielfach ausgezeichnet und weithin gefragt: So hat er u. a. in Wien, Malta oder Italien (um)gebaut und eingerichtet, zu seinen wohl prominentesten Kunden zählt Marcus Füreder alias Parov Stelar. Das VOLKSBLATT hat Mühlböck in seinen Schauräumen im „Märchenschloss“ besucht.

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Holz war immer schon sein Material

Große Fenster und französische Balkone, ein Dachausbau mit schweren Holzbalken, alte Steinböden, ein Kamin als Raumteiler, geniale alte Fundstücke und zeitlos schöne Designermöbel dominieren. „Wenn ich einen Grünton brauche, schaue ich aus dem Fenster und suche mir einen in der Natur aus“, sagt Mühlböck (Jg. 1973).

Schon als Siebenjähriger habe er gewusst, dass er etwas mit Holz machen wird, erzählt er. Geboren und aufgewachsen in Zwettl an der Rodl als Sohn eines Landwirtes und Enkel eines Holzhändlers legte er schon als Bub Hand ans Lieblingsmaterial und absolvierte im Nachbarort Oberneukirchen eine Tischlerlehre. Danach lernte er in einem hochmodernen Betrieb in Zürich weiter.

Der Stadel, das schönste Gebäude im Mühlviertel

Seine Frau Maria war es, die ihm mit ihrer Lust, die Welt und andere Kulturen kennenzulernen, eine Tür öffnete: Bei einem längeren Aufenthalt in Siena sammelte er Erfahrung bei einem bekannten Architekten und sog italienisches Design und Lebensart auf.

Solcherhand vollgepackt ging es zurück nach Österreich, wo sich das Paar selbstständig machte. Seine Frau habe Schloss Neuhaus entdeckt, der einstige Pferdestall wurde vor 20 Jahren zu Wohnraum und Büro umgebaut, die Wäscherei 2023 zum Schauraum. Für sich und seine um zwei Töchter gewachsene Familie hat Mühlböck vor ein paar Jahren in Zwettl ein Haus gebaut, das sich an „das schönste Gebäude im Mühlviertel, den Stadel“, anlehnt. „Zurückschauen, wie etwas früher gemacht wurde“, ist eine seiner Prämissen.

Ästhetik mit Gefühl und gereinigt vom Überfluss

Natürliche Materialien und Handwerker aus dem Mühlviertel kommen beim renommierten Einrichter zum Einsatz. Mittlerweile hat er seine eigene kleine Manufaktur und insgesamt zwölf Mitarbeiter.

Vom Zeichnen und Gestalten bis zum Bauen haben sich seine Aufgaben weiterentwickelt: „Ich betreue Kunden von der grünen Wiese weg.“ Behutsamer Umgang mit der Umgebung ist dabei ein Muss: „Eine Pyramide am Pöstlingberg schaut nix gleich“, sagt Mühlböck lachend.

Auch mit dem protzigen Stil, der in den vergangenen Jahren vielerorts Einzug gehalten habe, kann er nichts anfangen. Mühlböcks Entwürfe sind reduziert, einfach und bodenständig, ein Ansinnen, das er mit Freude auch bei der jungen Generation wieder vermehrt feststellt.

„Reinigung von Überfluss“ sei mit zunehmender Erfahrung Thema: Was brauch ich nicht? ist eine der Fragen, die er sich bei seinen Planungen stellt, und: „Was ich mache, muss ich fühlen.“ An Trends orientiert er sich nicht, die setzt er selbst: „Es muss lässig sein, dafür sorgen etwa alte Möbel, und man muss es für sich gestalten und nicht für die anderen.“

Seine Bauten und Einrichtungen sind weg vom Mainstream, nehmen Einflüsse verschiedener Kulturen auf. Mühlböck ist ein großer Fan Japans: „Japan hat eine Hochkultur in Sachen Möbelbau. Dort wird minimalistischer Raum anhand von Mustern in Zonen geteilt, es herrschen Akribie und Sauberkeit.“ Inspirationen und Ideen, die er etwa in die Gestaltung des Mühltalhofes und von Fernruf 7 in Neufelden einfließen ließ. „Da sieht man, was herauskommt, wenn das Mühlviertel mit Japan schwanger wird“, sagt er lachend.

Eine Keramikküche und das „Feuerchen“ im Haus

Als Einrichter liegt der Fokus auf eigenem, funktionellem wie schönem Design: Mühlböck hat mit der von ihm entwickelten Keramikküche Preise gewonnen. Küchenbereiche werden mit schwenkbaren Türelementen zum Backstage-Bereich.

Der Einrichter hinterfragt auch hier und zeigt sich bodenständig: „Ich will nicht alles in Hightech-Elektronik, den Kühlschrank, der mir sagt, was ich kaufen muss, sondern einen Holzofen, denn so ein Feuerchen gehört ins Haus.“ Und der erinnert dann an den alten Herd in einer Mühlviertler Bauernstube.

Zusammenarbeit mit der Linzer Kunstuni

Mit der Linzer Kunstuni hat Mühlböck zukunftsorientierte Ideen und Konzepte auf den Weg gebracht, hat schon einmal einen Wettbewerb für einen Hühnerstall ausgeschrieben oder mit Studenten an Holz und der Lagerung von Lebensmitteln experimentiert. Sein Entwurf für eine Küche für ein Waisenhaus für Sieben- bis 17-Jährige in Nazareth ging unter 150 Plänen von international renommierten Innenarchitekten als Sieger hervor.

Von Melanie Wagenhofer

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