„Dodel der Nation“ Wöber hatte schlaflose Nacht

Wöber nach Eigentor gegen Frankreich geknickt © APA/dpa/Fabian Strauch

Am Tag nach dem 0:1 bei der Fußball-EM in Düsseldorf gegen Frankreich war beim ÖFB-Team Aufarbeitung angesagt – vor allem bei Maximilian Wöber. Der Eigentorschütze erlebte nach eigenen Angaben eine schlaflose Nacht und entschied sich am Dienstag nach der Rückkehr nach Berlin zur Teilnahme an der Pressekonferenz. „Nach so einer Partie, wo man der Dodel der Nation ist, ist es nicht schlecht, wenn man sich gleich stellt, damit das Ganze abgehakt ist“, erklärte der Wiener.

Wöber hatte eine scharfe Flanke von Kylian Mbappe per Kopf im eigenen Tor versenkt. „Ich habe den Ball relativ spät gesehen, dann intuitiv gehandelt und den Kopf irgendwie hingehalten. Das war im Nachhinein sicher die schlechtere Entscheidung“, meinte der 26-Jährige.

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Vorwürfe von seinen Mitspielern oder Teamchef Ralf Rangnick gab es keine – ganz im Gegenteil. „Die komplette Mannschaft, der Trainerstab und meine Freunde haben mich in die richtigen Bahnen gelenkt, damit ich wieder positiv bin und ich es als stolzen Moment verzeichnen kann, bei der EM für Österreich aufgelaufen zu sein und Schulter an Schulter mit meinen Freunden die österreichische Hymne gesungen zu haben“, erzählte Wöber.

Unmittelbar nach dem Spiel hatte beim Innenverteidiger noch große Niedergeschlagenheit geherrscht. „Es war ein bitterer Abend für mich persönlich. Direkt nach dem Match war es extrem emotional für mich, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe, weil man das Gefühl hat, eine ganze Nation im Stich gelassen zu haben.“

Erste Trostspender waren die ÖFB-Kollegen, berichtete Wöber. „In der Kabine sind alle zu mir gekommen und haben das einzig richtige gesagt, dass so etwas im Fußball dazugehört, und dass wir als Mannschaft gewinnen und verlieren.“ Mittlerweile hat sich Wöbers Gemütszustand verbessert. „Ich bin jetzt in einem Stadium, wo ich über gewisse Memes oder Fotos schon wieder lachen kann.“

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Ob sich der Ex-Rapid- und Salzburg-Profi am Freitag gegen Polen rehabilitieren kann, ist offen – gut möglich, dass ihm Gernot Trauner vorgezogen wird. Sollte Wöber trotzdem wieder eine Chance bekommen, wolle er „zeigen, dass ich es besser machen kann. Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten Spielen wieder so ein Slapstick-Eigentor schieße. Aber reinzugehen und zu glauben, man muss alles zerreißen, wäre auch falsch, das geht dann oft in die Hose.“

Ob mit oder ohne Wöber – das ÖFB-Team muss am Freitag gegen die ebenfalls mit einer Niederlage gestarteten Polen Zählbares holen. „Wenn wir weit kommen und die Gruppe überstehen wollen, ist das ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel“, sagte Wöber. Der Verteidiger ist auf einen unangenehmen Gegner eingestellt. „Sie sind mit ihrem tiefen Abwehrblock schwer zu bespielen.“

Zudem können die Polen aller Voraussicht nach wieder auf Robert Lewandowski zählen, der nach überstandener Muskelverletzung am Dienstag erstmals wieder mit der Mannschaft trainierte. Stefan Posch lässt die Aussicht auf ein Duell mit dem ehemaligen Weltfußballer allerdings relativ kalt. „Wir konzentrieren uns nicht auf einzelne Spieler, sondern auf uns“, betonte der Bologna-Kicker.

So wie Wöber macht sich auch Posch über die Ausgangsposition für Freitag keine Illusionen. „Jetzt heißt es gegen Polen abliefern und gewinnen, da brauchen wir gar nicht viel drumherum reden.“ Der Rechtsverteidiger und seine Kollegen regenerierten am Dienstag im Mannschaftshotel in Berlin, das für den späteren Nachmittag geplant gewesene Training wurde abgesagt.

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