EM-Auftaktleistung gegen Frankreich stimmt Rangnick positiv

Rangnick war nicht mit allem zufrieden, was er sah © APA/dpa/Marius Becker

Österreichs Nationalteam steht trotz einer starken Leistung nach dem EM-Auftakt gegen Frankreich ohne Punkte da. Teamchef Ralf Rangnick hat nach dem knappen 0:1 am Montagabend in Düsseldorf aber Gewissheit, dass sein Pressingfußball auch bei einem großen Turnier funktioniert. Das macht den Deutschen zuversichtlich, im vorentscheidenden zweiten Gruppenspiel am Freitag (18.00 Uhr/live ServusTV und ARD) in Berlin gegen Polen das erste Erfolgserlebnis einzufahren.

„Jetzt geht es darum, den Blick nach vorne zu richten“, sagte Rangnick. Die Polen haben nach ihrem 1:2 am Sonntag gegen die Niederlande 30 Stunden mehr Regenerationszeit. „Das ist kein Vorteil für uns.“ Das Vertrauen in den eigenen Stil ist aber groß. „Es hat gut funktioniert – nur eben gegen einen der besten Gegner, die es zur Zeit gibt auf dem Planeten“, meinte Rangnick nach seiner EM-Premiere. „Das war keine Durchschnittsleistung der Franzosen, sondern auch für ihre Verhältnisse eine Topleistung.“

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Dennoch brachte die ÖFB-Auswahl den Vizeweltmeister immer wieder in Bedrängnis. Frankreichs Teamchef Didier Deschamps sei am Ende froh gewesen, dass das Spiel vorbei war. „Das alleine zeigt, was es für eine Energieleistung war. Sie waren bis zum Schluss gefordert“, erklärte Rangnick. Man müsse aber fair bleiben: „Die insgesamt größere Zahl an richtig guten Chancen hatten schon die Franzosen. Deswegen ist der Sieg nicht völlig unverdient.“

Sauer stieß Rangnick die Verteilung der Gelben Karten auf – fünf für Österreich, zwei für Frankreich. „Das gab das Spiel nicht her“, meinte der 65-Jährige. „Auch wenn wir auf dem Papier die Heimmannschaft waren: Ein Heimschiedsrichter war das sicher nicht.“ Er sei aber weit davon entfernt, dem Referee die Schuld an der Niederlagen zu geben, betonte Rangnick. „Der Fokus geht nach vorne. Wir bereiten uns auf Freitag vor und werden alles dafür tun, das Spiel zu gewinnen.“

Bei einer weiteren Verwarnung für Kevin Danso, Maximilian Wöber, Phillipp Mwene, Konrad Laimer oder Christoph Baumgartner wären diese in der folgenden Partie gesperrt. „Die nächste Partie ist zu bedeutsam, als dass wir anfangen darüber nachzudenken“, sagte Rangnick. „Wir werden gegen Polen die best- und stärkstmögliche Mannschaft aufbieten.“

Ob Unglücksrabe Wöber nach seinem Eigentor noch der Startformation angehören wird, ist offen. Gernot Trauner scheint als erste Alternative in der Innenverteidiger-Hackordnung derzeit vor Philipp Lienhart, bei dem Rangnick dessen fehlende Spielpraxis nach langen Verletzungspausen ins Treffen führte. Sonderlob vom Teamchef gab es für seinen Torhüter: „Patrick Pentz hat ein fantastisches Spiel gemacht. Er hat sicher dafür gesorgt, dass es bei diesem einen Gegentor geblieben ist.“

Das knappe Ergebnis verbessert die Karten, sollte es im Kampf um einen Platz im Achtelfinale auf das Torverhältnis ankommen. „Es wird ein vorentscheidendes Spiel für beide Mannschaften“, sagte Rangnick über das Duell mit Polen. Derjenige, der das Spiel gewinnt, hat noch alle Chancen. Derjenige, der verliert, hat keine allzugroßen mehr. Dieses Spiel hat absoluten Endspiel-Charakter. Genau so werden wir es angehen.„

In Berlin dürften die Österreicher erneut auf die Unterstützung von rund 20.000 Fans bauen dürfen. In Düsseldorf wurden Marcel Sabitzer und Co. nach Spielende trotz der Niederlage begeistert verabschiedet. Dabei gelang dem ÖFB-Team erstmals seit 21 Monaten in einem Länderspiel kein Tor. Die einzige Großchance ließ beim Stand von 0:0 Christoph Baumgartner aus, Michael Gregoritsch und der eingewechselte Marko Arnautovic waren offensiv weitgehend wirkungslos.

“Für das Kreieren der Torchancen sind nicht immer nur die zentralen Stürmer verantwortlich“, verteidigte Rangnick das Duo. Seine Mannschaft hätte in Ballbesitz nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. „Wir waren nicht immer mutig genug.“ Mehr Anspiele auf die von Baumgartner bekleidete Zehnerposition wären möglich gewesen. Rangnick: „Die Räume waren da. Man darf aber nicht vergessen, unter welchem Druck dieses Spiel stattfindet. Dass da nicht immer alle Entscheidungen perfekt sind, ist menschlich. Dafür werden wir sie nicht verdammen oder kritisieren.“

Immerhin untermauerten die Österreicher ihre aggressive Spielweise mit Defensiv-Statistiken: Die Rangnick-Auswahl verzeichnete laut UEFA-Angaben 18 Tacklings, also auf Ballgewinne abzielende Aktionen gegen Gegenspieler, einzig Serbien (20) gelangen im Turnierverlauf bisher mehr. Die jeweils 48 Balleroberungen von Österreich und Frankreich waren an den ersten vier EM-Tagen Bestwert.

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