Italien und Kroatien rittern um das Weiterkommen

Squadra Azzurra hat bessere Chancen, in das Achtelfinale der Fußball-EM einzuziehen

Italien-Kapitän Gianluigi Donnarumma: „Wir haben unser Schicksal noch in der eigenen Hand“.
Italien-Kapitän Gianluigi Donnarumma: „Wir haben unser Schicksal noch in der eigenen Hand“. © INA FASSBENDER / AFP

Während die fix als Sieger der Gruppe B fürs Achtelfinale der Fußball-EM in Deutschland qualifizierten Spanier sich in Düsseldorf um den Underdog Albanien kümmern, rittern Italien und Kroatien im Parallelspiel in Leipzig am Montag (21.00 Uhr/Servus TV, ZDF) um den Aufstieg.

Dabei war in den vergangenen Tagen Wundenlecken bei den Teams angesagt: Beide verloren gegen Spanien und waren dabei chancenlos. Italien hat aber wenigstens einen Sieg gegen die Albaner im Gepäck.

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Die Kroaten kassierten am Mittwoch in letzter Minute den Ausgleich zum 2:2 gegen Albanien und stehen daher vor der Auseinandersetzung mit der Squadra Azzurra mit einem Punkt als Gruppenletzter da.

Auch wenn ein Unentschieden zum dritten Platz in der Gruppe reichen könnte — von einem Punktgewinn der Albaner gegen Spanien ist eher nicht auszugehen — , würden die zwei Punkte, welche die Kroaten dann hätten, wohl nicht zum Aufstieg in die K.o.-Phase reichen. Italien wäre umgekehrt mit einem Unentschieden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Gruppenzweiter und jedenfalls weiter. Selbst eine Niederlage würde nur bei einem Sieg der Albaner gegen Spanien das sichere Ausscheiden bedeuten.

Klar ist bei dieser Ausgangssituation, dass der Druck für Kroatien höher ist. Aber Druck für die Italiener kommt nach der Niederlage gegen die „Furia roja“, gegen die die Blauen zwar nur 0:1 verloren, aber chancenlos waren, aus der Heimat: Die „Gazzetta dello Sport“ nannte die Truppe von Luciano Spalletti „kleines Italien“, der „Corriere dello Sport“ forderte ein „Reset“.

Italo-Teamchef Spalletti beklagte, dass seine Spieler nicht frisch genug seien, und fragte sich, ob sie mehr Pause benötigen nach den pausenlosen spanischen Angriffen, bei denen die Italiener fast während der gesamten Spielzeit so wirkten, als würden sie Schatten hinterherjagen.

„Wir dürfen nicht mit Angst ins Spiel gehen“, sagte Gianluigi Buffon, Teammanager der italienischen Squadra. Vor allem Torhüter Gianluigi Donnarumma, der eine deutlich höhere Niederlage mit zahlreichen starken Paraden verhinderte, war frustriert: „Wir sind wütend, aber das sollten wir für die letzte Partie nutzen. Wir haben unser Schicksal noch in der eigenen Hand“, forderte der Kapitän.

Die kroatischen Probleme sind ihrem Teamchef Zlatko Dalic bewusst. „Es fehlt uns an Aggressivität. Wir sind oft zu weit weg vom Ball und dem Gegner“, bemängelte er. „Unsere Spieler werden älter und der Ausgang des Turniers ist total offen“, musste sich auch Dalic eingestehen. Der 57-Jährige kündigte dennoch trotzig an: „Für uns beginnt jetzt die K.o.-Phase, also lasst es uns angehen.“

Besonders schwierig für die Kroaten sind die schläfrigen Startphasen, die sie bisher an den Tag gelegt haben. Die technischen Fähigkeiten der Kroaten stehen nicht zur Debatte — immerhin dominierten sie sogar gegen Spanien den Ballbesitz —, aber es fällt ihnen schwer, im letzten Angriffsdrittel den notwendigen Druck aufzubauen.

Dalic setzt weiter auf Erfahrung: Mittelfeldregisseur Luka Modric (38), Ivan Perisic (35) und Stürmer Andrej Kramaric (33) sind der Beweis, dass der Teamchef weiter seinen erfahrenen Leistungsträgern vertraut, die ihm in der Vergangenheit so gute Dienste erwiesen haben. Die Frage ist, ob es für die früheren Helden dieses Mal das eine Turnier zu viel ist — wobei man Ähnliches auch schon vor Katar dachte. „Die Weltmeisterschaft war vor zwei Jahren, und unsere Spieler werden langsam älter. Das Turnier hat uns gezeigt, dass es für jeden schwer ist“, resümierte Dalic.

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