Norris forderte Verstappen: „Wir sind nicht mehr die Nummer 1“

McLaren-Pilot Norris saß in Barcelona im schnelleren Auto

Es war ein für ihn höchst ungewöhnlicher Satz, den Max Verstappen am Sonntag aussprach. „Ich glaube, wir sind nicht mehr die Nummer eins“, sagte der dreifache Formel-1-Weltmeister und Dominator der vergangenen Jahre nach seinem Triumph beim Großen Preis von Spanien. Zwar fuhr der Red-Bull-Pilot in Barcelona zum siebenten Mal im zehnten Saisonrennen als Erster über die Ziellinie, das schnellere Auto war am Ende allerdings der McLaren von Lando Norris.

Genau 2,2 Sekunden rettete Verstappen vor Norris ins Ziel, dem Briten gingen im Finish nach einer Aufholjagd mit frischeren Reifen die Runden aus. „Wir sind nicht die Schnellsten auf der Strecke. Beim Reifenverschleiß war McLaren auch stärker, also wir müssen schon arbeiten“, betonte Verstappen im ORF vor dem Heimrennen des Austro-Rennstalls am Wochenende in Spielberg. Der Sieg in Barcelona gelang, weil sein Team eine gute Strategie gewählt habe und er ein gutes Rennen gefahren sei, ergänzte der Niederländer.

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Ähnlich sah es Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko, der angesprochen auf die Souveränität des Sieges einzig Verstappens Leistung hervorhob. Diese bezeichnete der Steirer als „souverän“, Verstappen sei „66 Runden am absoluten Limit“ gefahren. Von RB-Teamchef Christian Horner gab es ebenfalls ein Lob für den WM-Leader. „Er ist so entschlossen in großen Momenten“, sprach der Brite das wohl entscheidende Überholmanöver in der dritten Runde gegen George Russell an.

Auch wenn Verstappen seine WM-Führung auf seinen neuen ersten Verfolger Norris auf komfortable 69 Punkte ausbaute, taucht die Bedrohung in Papaya-Orange immer größer im Red-Bull-Rückspiegel auf. „Lando hat eine ähnliche Geschwindigkeit wie wir“, sagte Horner und betonte: „Wenn es so eng ist, gibt es keinen Raum für Fehler.“ Verstappen machte am Sonntag keinen Fehler, Pole-Setter Norris verpatzte hingegen den Start.

„Wir hätten das Rennen gewinnen können, am Start hatte Lando durchdrehende Reifen“, sagte McLaren-Teamchef Zak Brown. Es sei ein aufregendes Rennen gewesen, aber Max mache eben keine Fehler, betonte der US-Amerikaner. Dass Verstappen ähnlich wie in den vergangenen beiden Jahren ungefährdet zu seinem vierten Weltmeistertitel fahren kann, scheint derzeit unwahrscheinlich. Neben McLaren wollen auch noch Ferrari und Mercedes so bald wie möglich wieder um Siege mitfahren.

In Barcelona reihten sich hinter dem Spitzenduo die „Silberpfeile“ Lewis Hamilton und George Russell ein, mit einem Rückstand von 17 und 22 Sekunden. „Die Fortschritte sind gut“, sagte Mercedes-Boss Toto Wolff nach dem zweiten Podestplatz in Serie. Auf Verstappen und Norris würden noch „ein paar Zehntel“ fehlen, betonte der Wiener. „Wenn wir bis zum Ende hingehalten und das Gas nicht rausgenommen hätten, dann wären wir vielleicht zehn Sekunden hinten gewesen. Aber zehn Sekunden sind zehn Sekunden, die fehlen noch.“

Die Ferraris fuhren nach dem Doppel-Aus in Kanada auch in Spanien ein wenig hinterher, Charles Leclerc und Carlos Sainz mussten sich mit den Plätzen fünf und sechs begnügen. „Wir müssen im Vergleich zu McLaren, Red Bull und Mercedes noch einige Schritte nach vorne machen. Wir dürfen uns nicht von Monaco blenden lassen“, sagte Leclerc, der auf dem Stadtkurs in seiner Heimat noch triumphiert hatte.

Von Siegen ist die Scuderia derzeit weiter entfernt als McLaren oder Mercedes. Dazu kommen auch noch Streitereien zwischen den beiden Ferrari-Piloten, vor allem wegen einer Berührung in der zweiten Runde. „Es ist ein bisschen unnötig, aber ich verstehe auch, dass es sein Heimrennen ist und ein wichtiger Moment in seiner Karriere. Also wollte er wohl etwas Spektakuläres machen. Aber ich war wahrscheinlich nicht die richtige Person, um das zu tun“, sagte Leclerc.

Sainz, der sein Ferrari-Cockpit nach dem Saisonende für Hamilton räumen muss, reagierte angefressen. „Ich glaube, er beschwert sich zu oft nach einem Rennen über irgendetwas“, sagte der Spanier in Richtung Leclerc. „Ich bin an Charles vorbeigegangen, weil ich nicht wusste, ob er einen Fehler gemacht hat oder ob er einfach ein bisschen zu viel sein Rennen kontrollieren wollte.“

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