Nur zu 98,6 Prozent im Achtelfinale: ÖFB-Team peilt Aufstieg an

Fußball-EM: Österreich trifft am Dienstag auf die Niederlande

Rangnick hat mit ÖFB-Team EM-Achtelfinale im Visier © APA/AFP/ODD ANDERSEN

Österreichs Nationalmannschaft kämpft am Dienstag (18.00 Uhr/live ServusTV, RTL) bei der Fußball-EM um den Einzug ins Achtelfinale. Mit einem Sieg im Berliner Olympiastadion gegen die Niederlande wäre die ÖFB-Auswahl zumindest als Gruppenzweiter aufgestiegen, bei einem Remis würde man fix als einer der vier besten Gruppendritten weiterkommen. Selbst eine Niederlage gegen die „Elftal“ mit vier Toren Unterschied würde zum Sprung in die K.o.-Phase reichen.

Das steht nach dem 1:1 am Montagabend zwischen Italien und Kroatien fest. Auf Rechenspiele will sich Teamchef Ralf Rangnick aber erst gar nicht einlassen – der Deutsche peilt nach dem 0:1 gegen Frankreich und dem 3:1 gegen Polen im letzten Match der Gruppe D Zählbares an. Man sei „zu 98,6 Prozent“ für die nächste Runde qualifiziert, sagte der 65-Jährige. „Aber das sind nicht 100 Prozent. Wir brauchen aus eigener Kraft zumindest einen Punkt.“ Gleichzeitig stellte Rangnick klar, die ÖFB-Spielweise sei nicht auf einen, sondern auf drei Zähler ausgerichtet.

Lesen Sie auch

In diesem Fall wäre Österreich sogar Gruppensieger, sollten die Franzosen gegen Polen nicht gewinnen. „Am liebsten würden wir Erster werden, aber das halte ich nicht für sehr wahrscheinlich. Als nächstes würden wir Platz zwei wählen. Alles, was Platz drei ausmacht, ist mir zu kompliziert. Ich hab’s mir einmal angeschaut, aber dann irgendwann aufgehört“, erzählte Rangnick.

In einem möglichen Achtelfinale droht gleich sieben Spielern eine Sperre – Christoph Baumgartner, Konrad Laimer, Marko Arnautovic, Maximilian Wöber, Patrick Wimmer, Kevin Danso und Phillipp Mwene müssten bei einer Gelben Karte gegen die Niederländer zuschauen. „Das ist nicht gut, aber es ist leider so. Doch wir müssen erstmal schauen, dass wir uns fürs Achtelfinale qualifizieren. Es sind einige dabei, die wir unbedingt brauchen, aber wenn du das jetzt berücksichtigst, verschiebst du es dann auf ein Spiel weiter. Ich setze darauf, dass die Jungs clever genug sind, sich keine dummen Gelben Karten einzuhandeln“, meinte Rangick.

Vor „Oranje“ zeigte der Teamchef Respekt. „Wir treffen auf einen Gegner, der individuell ähnlich gut besetzt ist wie Frankreich. Die Niederländer haben vielleicht nicht in der Breite so viele absolute Topspieler, aber trotzdem genug Topspieler“, betonte Rangnick. „Sie versuchen immer, spielerische Lösungen zu finden. Um das zu verhindern und selbst Kontrolle über das Spiel zu haben, brauchen wir eine absolute Top-Leistung. Wir müssen gegen den Ball das Beste zeigen, was wir drauf haben, brauchen aber auch eigene Ballbesitzphasen.“

Die „Elftal“ habe sei Jahrzehnten eine klare Philosophie. Die Basis dafür sei von Johan Cruyff gelegt worden, den Rangnick schon als Spieler bewunderte. Er habe bei seinem Club mit Cruyffs Rückennummer 14 gespielt, obwohl dies damals für einen Kicker in der Anfangself unüblich war, berichtete Rangnick. Cruyff verordnete den Niederländern einen „variablen und flexiblen Fußball“, so Rangnick. „Für uns wird es darauf ankommen, dass wir uns gut aufeinander abstimmen, dass das Timing stimmt und dass wir Balleroberungen kreieren. Auch zweite Bälle werden ein wichtiges Thema sein.“

Zudem muss die ÖFB-Auswahl bei ruhenden Bällen voll auf der Höhe sein. Dies gelang bisher bei Offensiv-Standards noch nicht, was Rangnick mit leichtem Zynismus kommentierte: „Wir haben beschlossen, ‚safe the best for last‘, deshalb haben wir uns in den ersten beiden Spielen noch bedeckt gehalten.“

Seine Mannschaft wird im Olympiastadion wohl wieder von über 20.000 Fans unterstützt, dennoch dürften die niederländischen Anhänger in der Überzahl sein – was Rangnick ziemlich egal ist. „Ich habe eine Rot-Grün-Schwäche, wahrscheinlich kann ich Orange und Rot eh nicht gut unterscheiden.“

Für Rangnick und seine Schützlinge geht es um den zweiten Einzug in eine EM-K.o.-Phase in der ÖFB-Geschichte. Erstmals gelang dies vor drei Jahren, als im Achtelfinale nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Italien Endstation war. Bei einem Sieg über die Niederländer hätte Österreich nicht nur die Negativserie von sieben Niederlagen in Folge gegen „Oranje“ beendet. In diesem Fall hätte das ÖFB-Team auch zum ersten Mal überhaupt zwei EM-Partien in Folge für sich entschieden.

Durch das Remis zwischen Italien und Kroatien kann sich Österreich sogar eine Niederlage mit vier Toren Unterschied leisten und wäre noch immer vor den Dritten der Gruppe A (Ungarn) und B (Kroatien). Von den bisherigen 24 Länderspielen unter Rangnick wurden sechs verloren – dreimal mit einem und dreimal mit zwei Treffern Unterschied.

Das könnte Sie auch interessieren