Ronaldos Portugal will den EM-Hattrick gegen Tschechien

Fußball-EM: Im Duell zweier Europameister sind die Portugiesen klarer Favorit

Cristiano Ronaldo © APA/AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA

10 Spiele, 10 Siege und ein Torverhältnis von 36:2: Besser hätte die EM-Qualifikation für Portugals Fußball-Nationalteam nicht laufen können. Am Dienstag (21.00 Uhr/live ServusTV) gilt es nun diese Stärke auch in der ersten Endrunden-Partie in Leipzig gegen Tschechien unter Beweis zu stellen. Wie in den direkten Duellen bei der EM 2008 und 2012 soll ein Sieg eingefahren werden. Alle Augen sind auf Cristiano Ronaldo gerichtet, der trotz seiner 39 Jahre weiter in Torlaune ist.

Ronaldo war auch schon dabei, als die Portugiesen bei der EM 2008 im zweiten Gruppenspiel in Genf gegen die Tschechen einen 3:1-Sieg einfuhren, auch dank eines Treffers des Stürmerstars zum 2:1. Im EM-Viertelfinale 2012 in Warschau war er mit dem einzigen Tor in der 79. Minute der Matchwinner. Dass Ronaldo auch im dritten EM-Duell in Folge trifft, wäre alles andere als eine Überraschung, zumal er bei der EM-Generalprobe, einem 3:0 gegen Irland, mit einem sehenswerten Doppelpack an seine besten Zeiten erinnerte. Die Länderspieltore 129 und 130 werden bei dieser Form nicht die letzten gewesen sein.

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Alleine 14 davon gelangen ihm auf EM-Ebene, damit liegt der Angreifer unangefochten an der Spitze der ewigen Schützenliste, mit 25 EM-Einsätzen ist er auch in dieser Rubrik schon vor seiner sechsten Europameisterschaft das Maß aller Dinge. Bei der EM 2021 waren nur Tschechiens Patrik Schick, der diese Saison mit Leverkusen das deutsche Double gewann, auch fünf Treffer gelungen. Tschechiens Hintermannschaft ist sich also bewusst, auf wen der Fokus gerichtet werden muss.

„Ich glaube nicht, dass es eine Antwort auf die Frage gibt, wie man gegen Ronaldo verteidigt. Man muss einfach versuchen, ihm das Leben so schwer als möglich zu machen und Glück haben, um ihm den Ball abnehmen zu können“, sagte Tschechiens Verteidiger Tomas Vlcek. Wichtig wird es sein, schon die Zuspiele auf den fünffachen Weltfußballer, der für Al-Nassr in Saudi-Arabien in 45 Pflichtspielen 44 Mal getroffen hat, zu unterbinden. „Denn in gewissen Situationen ist es einfach nicht möglich, gegen ihn zu verteidigen“, ist sich Vlcek bewusst.

Die Portugiesen setzten sich auch in der Nations League 2022 (2:0 in Lissabon, 4:0 in Prag) gegen die Tschechen durch. Damit konnten die jüngsten vier Aufeinandertreffen gewonnen werden, dreimal gab es auch keinen Gegentreffer. Auch deshalb ist die Favoritenrolle klar verteilt. „Es ist normal, dass die Erwartungen an uns hoch sind, weil wir ein starkes Team haben, das müssen wir aber erst einmal auf dem Platz beweisen“, verlautete Mittelfeldspieler Vitinha.

Respekt vor dem Gegner ist gegeben, obwohl er in der Weltrangliste als 36. deutlich hinter den auf Position sechs rangierenden Portugiesen, die unter Roberto Martinez 13 von 15 Länderspielen siegreich beendeten, liegt. „Sie sind erfahren bei Endrunden, wo es in den Spielen immer nur auf Details ankommt. Deshalb müssen wir an unsere Leistungsgrenze kommen, um zu gewinnen“, meinte Rechtsverteidiger Diogo Dalot.

Einen Beitrag soll auch Abwehr-Routinier Pepe leisten, der am Dienstag bei einem Einsatz mit 41 Jahren und 113 Tagen zum ältesten EM-Spieler aufsteigen dürfte. Aktueller Rekordhalter ist seit dem Achtelfinale 2016 Ungarns Ex-Goalie Gabor Kiraly mit 40 Jahren und 86 Tagen. Portugal träumt vom zweiten EM-Titel nach 2016. Bei der jüngsten EM 2021 war allerdings Tschechien mit dem Viertelfinale (1:2 gegen Dänemark) weiter gekommen, als die im Achtelfinale an Belgien gescheiterten Portugiesen.

Tschechiens Teamchef Ivan Hasek fiebert seinem EM-Debüt im Duell zweier EM-Endrunden-Stammgäste entgegen. „Wir können in der Gruppe als Letzter ausscheiden, sie aber auch gewinnen. Ich glaube an mein Team“, sagte der 60-Jährige. Mit Ronaldo warte „einer der besten Spieler der Geschichte“ als Gegner. „Das ist für jeden von uns eine wertvolle Erfahrung und ich bin nicht der Einzige, der sich auf dieses Spiel wirklich freut. Wir dürfen nur nicht zu ängstlich sein“, sagte Hasek.

Der hat bei der WM 1990 in den USA beim 1:0-Sieg gegen Österreich noch für die damalige Tschechoslowakei gespielt. Mit der hatte er zuvor in WM-Qualifikationen auch zwei Siege und ein Remis gegen Portugal geholt. Niederlage hat er noch keine kassiert, vielleicht ein gutes Omen. Mit der Türkei (FIFA-40.) und EM-Debütant Georgien (FIFA-75.) warten in der Gruppe F sonst auf jeden Fall schlagbare Gegner.

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