BP prescht mit 10-Milliarden-Programm in Deutschland vor

Der Energiekonzern BP will bis 2030 mit Investitionen von bis zu zehn Milliarden Euro seine Geschäfte in Deutschland ausbauen und die Energiewende vorantreiben. „BP ist seit über 100 Jahren in Deutschland tätig,“ sagte BP-Europa-Vorstandschef Patrick Wendeler. „Wenn ich auf Basis unserer aktuellen Pläne Richtung 2030 blicke, sehe ich eine breitere Aufstellung von BP in Deutschland.“ Zu den Geschäften zählen Raffinerien in Lingen und Gelsenkirchen und die Aral-Tankstellen.

Vor wenigen Wochen hatte der Konzern den Zuschlag für zwei Offshore-Windprojekte in der Nordsee erhalten, für die sich auch der Energiekonzern RWE beworben hatte. BP hatte rund 6,8 Milliarden Euro geboten und damit für Aufsehen gesorgt, zumal sich für weitere Offshore-Felder der französische Versorger TotalEnergies mit Geboten in Milliardenhöhe durchsetzte.

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Die Höhe der Gebote hatte in der Branche Sorgen befeuert, dass die finanziell weit überlegenen Ölkonzerne jede Auktion für sich entscheiden könnten. RWE hätte die Ausschreibung gerne gewonnen, sagte Vorstandschef Markus Krebber. Die Gebote hätten jedoch ein Niveau erreicht, das sich auch in den optimistischsten Szenarien nicht ausgezahlt hätte.

BP kündigte an, dass die Projekte zu Beginn des nächsten Jahrzehnts eine Erzeugungskapazität von vier Gigawatt – das entspricht in etwa vier großen Kohlekraftwerken – liefern könnten. Den erzeugten Strom will das Unternehmen auch selbst nutzen – etwa bei der Produktion von grünem Wasserstoff und Biokraftstoffen oder dem Ausbau der Elektromobilität.

BP versucht, Sorgen vor einer Übermacht der Öl-Multis zu zerstreuen. „Was uns nicht antreibt, ist in irgendeiner Form irgendjemanden wegzudrücken“, betonte Wendeler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. BP habe mit den Raffinerien, der Infrastruktur an Anlagen, dem größten Tankstellennetz Deutschlands, seinen Geschäftsbeziehungen und Marken Assets, die andere nicht hätten. „Das sind alles hervorragende Assets, auf denen wir aufsetzen können und die andere in der Form nicht haben. Das ist ein Vorteil.“ Die BP Europa SE mit Hauptsitz in Bochum beschäftigt in Deutschland rund 4.000 Mitarbeiter und erzielte hierzulande 2022 einen Umsatz von rund 41 Mrd. Euro.

Der Konzern kündigte an, dass die Raffinerien in Lingen und Gelsenkirchen durch Investitionen in CO2-ärmere Produkte und Verfahren gestärkt werden sollen. Hierzu zähle nachhaltiger Flugkraftstoff. Bis 2030 sollen davon in Lingen jährlich rund 500.000 Tonnen hergestellt werden. Über 2030 hinaus würden aber auch konventionelle Kraftstoffe benötigt.

BP kündigte an, auch Projekte für grünen Wasserstoff auszubauen. In Lingen solle ein Elektrolyseur mit einer Leistung von 100 Megawatt installiert werden. In Wilhelmshaven werde der Bau eines Ammoniak-Importterminals geprüft, der ab 2028 jährlich bis zu 130.000 Tonnen Wasserstoff importieren könnte.

Auch in der Elektromobilität will BP in Deutschland Gas geben. Mit mehr als 1.700 Ladepunkten für Personenwagen betreibe der Konzern unter der Marke Aral pulse eines der größten Schnell-Ladenetze in Deutschland. Dieses Netz soll bis 2025 auf 5.000 Ladepunkte und bis 2030 auf bis zu 20.000 Ladepunkte wachsen. Das setze allerdings voraus, dass die Behörden das Tempo bei der Genehmigung und dem Netzzugang weiter beschleunigten.

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