Die Finanzierungs-Projektmanager vom Kirchberg-Plateau

Die Europäische Investitionsbank finanzierte bislang 330 Projekte in Österreich, darunter auch etliche in Oberösterreich

V. l.: Christoph Kuhn (EIB), Nicola Beer (EIB), Botschafterin Karin Proidl und Landeshauptmann Thomas Stelzer © Land OÖ/Mayrhofer

Etwa 120 Banken gibt es im 700.000 Einwohner zählenden Luxemburg. Im Finanzsektor des Großherzogtums sind insgesamt 52.000 Menschen, davon mehr als 26.300 in den Banken, beschäftigt. Der Sektor trägt rund ein Drittel zum BIP des Landes bei. Ein gewichtiger Player ist dabei die Europäische Investitionsbank (EIB), die übrigens den EU-Staaten gemeinsam gehört.

Im Europaviertel auf dem Kirchberg-Plateau beheimatet, hat das 4.200 Mitarbeiter zählende Institut seine energietechnisch ausgeklügelte Zentrale. Und die Bank finanziert unter anderem innovative, nachhaltige Projekte beispielsweise im Energiesektor, im öffentlichen Verkehr, im Gesundheitsbereich, im Digitalisierungsbereich oder für Klein- und Mittelbetriebe (KMU).

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Die Besonderheit: „Wir haben neben dem Finanzwissen auch fachspezifisches Know-how, vom Geologen bis zum Ingenieur. Dementsprechend werden die bei uns eingereichten Projekte genau durchleuchtet und bewertet“, so Vizepräsidentin Nicola Beer gegenüber einer Delegation aus Oberösterreich, angeführt von Landeshauptmann Thomas Stelzer. Beer legt auch darauf wert, „dass die EIB keine Zuschussbank ist“.

Die EIB sei eine „ganz normale Bank“ das AAA-geratete Institut – übrigens in der Bilanzsumme fast doppelt so groß wie die Weltbank – refinanziere sich über den Kapitalmarkt. Gewinne werden nicht ausgeschüttet, diese kommen der Kreditvergabe zugute. Aktuell liegt der Wert dieser EIB-Eigenmittel bei knapp 80 Milliarden Euro.

Ein Vorteil sei laut Christoph Kuhn, der als Director unter anderem für Österreich bei der EIB verantwortlich zeichnet, dass die EIB „langfristige, günstige und perfekt zugeschnittene Kredite vergeben könne“. Nicht stolz sei man hingegen auf die teils lange Dauer, bis zur Kreditvergabe. Das sei jedoch teilweise den komplexen Projekten geschuldet.

In Österreich seit 1973 aktiv

In Österreich ist die EIB seit 1973 aktiv. Der Fokus liege laut Beer und Kuhn Innovations- sowie KMU-Förderung. Bis dato hat die EIB langfristige Kredite in Höhe von 35 Milliarden Euro vergeben.

Damit wurden 330 Projekte finanziert; in Oberösterreich unter anderem beispielsweise Forschungsprojekte zu E-Mobilität bei KTM, ein Windpark im burgenländischen Engelhartstetten, bei dem die Lenzing AG ein Abnehmer des Stroms ist, ein Projekt zur Sanierung der Wasserinfrastruktur in Linz oder die Errichtung einer PV-Anlage im Format-Werk in Gunskirchen.

Im Vorjahr wurden Kredite in Höhe von 1,26 Milliarden Euro vergeben; heuer werde dies ein Betrag „in ähnlicher Höhe wie 2023“ sein. Nach Oberösterreich flossen in den Jahren 2021 bis 2023 85 Millionen Euro, das habe laut Beer und Kuhn 6.000 Arbeitsplätze langfristig gesichert.

Und wie kommt man zu einem Kredit bei der EIB? „Einfach anrufen. Entweder in unserem Büro in Österreich oder bei uns hier in Luxemburg.“ Das werde auch überlegt, sagt Stelzer zum VOLKSBLATT. Möglicherweise wird die Regional-Stadtbahn über die EIB finanziert. „Das wir bei uns aber erst noch geprüft.“

Von Oliver Koch aus Luxemburg

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