Personalkosten sind für Industrie derzeit das Hauptproblem

Industriellenvereinigung OÖ fordert Standortoffensive auf Landes- und Bundesebene, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden

Die Ordentliche Vollversammlung letzte Woche nutzte die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), um eine Live-Umfrage unter den rund 120 Eigentümern, Vorständen und Geschäftsführers von Leitbetrieben des Landes OÖ  durchzuführen.

Das Ergebnis fiel extrem eindeutig aus: Satte 92 Prozent schätzen die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Vergleich zu USA und China geringer ein. Europa verliere demnach immer mehr an Bedeutung beim Anteil am Welt-BIP und ist für die zentralen Herausforderungen bei Sicherheit, Energieversorgung oder Digitalisierung nicht gut genug aufgestellt.

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Der wirtschaftliche Ausblick für die nächsten zwölf Monate wurde sehr verhalten beurteilt: Nur 15 Prozent der Firmenchefs sehen eine Verbesserung und 40 Prozent ein Gleichbleiben der wirtschaftlichen Lage jedoch 44 Prozent sogar eine weitere Verschlechterung.

Positives Zeugnis für Oberösterreich

Mit einer Zweidrittelmehrheit weiterhin sehr positiv ist die Einschätzung, dass der Standort Oberösterreich im Bundesländervergleich als besser einzuschätzen ist. Nur für ein Viertel ist Oberösterreich gleich gut. Im aktuellen Regional Competitiveness Index der Europäischen Kommission liegt Oberösterreich erstmals unter den Top 20-Industrieregionen Europas.

 Hauptproblem Personalkosten

Als mit Abstand größtes Problem und größte Herausforderung für die nächsten fünf Jahre werden von 92 Prozent der Befragten die stark gestiegenen Personalkosten gesehen. Dieses Thema überschattet bei weitem alle anderen Themenfelder.

Das Finden qualifizierter Mitarbeiter, welches das größte Problem der letzten sieben Jahre war, ist in der aktuellen Situation für die Betriebe nur noch ein Nebenthema, während das Thema Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter (Work-Life-Balance, Trend zu Teilzeit) deutlich an Bedeutung zugelegt hat und mit 63 Prozent auf Platz 2 der größten Herausforderungen steht. Ebenfalls 63 Prozent erreicht das Thema Verwaltungsaufwand und Behördenverfahren.

Die Wünsche an die Politik

Welche Maßnahmen von der Politik ergriffen werden sollen, damit der Standort Österreich wieder wettbewerbsfähiger wird? Höchste Priorität hat die Senkung der Steuern und Lohnnebenkosten.

Weitere wichtige Maßnahmen sind Investitionen in die Infrastruktur (Straße, Schiene, Energie, Breitband), der Bürokratieabbau und die Digitalisierung und Modernisierung aller Prozesse der öffentlichen Hand sowie eine MINT-Offensive und Entlastungen bei Energiekosten und die Sicherstellung der Energieversorgung.

„Die Umfrage unter den Firmenchefs der Leitbetriebe Oberösterreichs bestätigt mehr als deutlich, wie notwendig eine Standortoffensive ist, um den Abfluss von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen aufzuhalten“, so IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.

„Auf Landesebene müssen wir mit Nachdruck jene Bereiche forcieren, die regional bestens gestaltbar sind – nämlich die Qualität der Schulausbildung und das MINT-Angebot, die Qualifizierung für den Arbeitsmarkt, Innovations- und Forschungsinitiativen, die Hochschulentwicklung oder den Infrastrukturausbau“, fordert Haindl-Grutsch.

Auf Bundesebene gelte es, so Haindl-Grutsch, bei Steuern und Lohnnebenkosten große Entlastungsschritte zu setzen und die Bürokratie massiv zu reduzieren.

Sein Fazit: „An einer Standortoffensive auf Landes- und Bundesebene führt kein Weg vorbei. Die Alternative wäre die Fortsetzung der Deindustrialisierung und damit des Wohlstandsverlusts.“

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