US-Sanktionen gegen russische Softwarefirma Kaspersky

Kaspersky stellt für die USA ein Sicherheitsrisiko dar © APA/AFP (Archiv)/KIRILL KUDRYAVTSEV

Nach dem Verbot des Anti-Viren-Programms von Kaspersky Lab haben die USA die Führungsspitze der russischen Firma für Computersicherheit mit Sanktionen belegt. Die Sanktionen richten sich gegen zwölf Führungsleute von Kaspersky, wie das Finanzministerium in Washington am Freitag mitteilte. Zur Begründung hieß es, die „Integrität des digitalen Raums“ der USA solle abgesichert und die US-Bürger sollten vor „bösartigen Cyberbedrohungen geschützt“ werden.

Bereits das Verbot der weit verbreiteten Antiviren-Software von Kaspersky war mit der nationalen Sicherheit begründet worden. In einer gesonderten Stellungnahme zu den Sanktionen teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, mit, die Firma sei der „Rechtssprechung, Kontrolle oder Führung der russischen Regierung“ unterworfen. Diese könne den „privilegierten Zugang nutzen, um an sensible Daten zu kommen“. Dies sei ein „inakzeptable Risiko für die nationale Sicherheit der USA oder die Sicherheit von US-Bürgern“.

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Der Verkauf der Software wurde ab dem 20. Juli verboten. Ab 29. September darf Kaspersky auch keine Updates mehr einspielen – damit würde die Software weitgehend nutzlos gegen neu dazukommende Bedrohungen. Die Übergangsfrist solle Kundinnen und Kunden die Zeit geben, zu anderen Anbietern zu wechseln, erläuterte das Büro für Industrie und Sicherheit.

Grund für das Verbot sind demnach die Cyberangriffsfähigkeiten der russischen Regierung und deren Möglichkeiten, Aktivitäten von Kaspersky zu beeinflussen. Software der Firma sei in der Lage, Informationen von US-Unternehmen und Bürgern zu sammeln, die von der russischen Regierung missbraucht werden könnten, warnte die Behörde.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Das US-Handelsministerium habe seine Entscheidung aufgrund „des aktuellen geopolitischen Klimas und theoretischer Bedenken“ gefällt“, teilte Kaspersky der Nachrichtenagentur AFP mit. Das Unternehmen werde alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um seine Aktivitäten fortsetzen zu können. Der Kreml prangerte am Freitag in Moskau eine „unlautere Konkurrenz“ vonseiten der USA an. Der Konzern mit Hauptsitz in Moskau hat nach Angaben des US-Handelsministeriums Niederlassungen in 31 Ländern und mehr als 400 Millionen Privat- und 270.000 Firmenkunden in mehr als 200 Ländern.

Kaspersky, einst ein auch international respektierter Spezialist für PC-Sicherheit, hat schon seit Jahren einen schweren Stand im Westen. In den USA ist bereits seit 2017 die Installation auf Behördengeräten verboten. Kaspersky wies alle Vorwürfe stets zurück und bestritt insbesondere Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Aufgrund der Vorwürfe zur Zusammenarbeit mit den russischen Behörden hatte das Unternehmen 2020 verkündet, dass die Daten seiner westlichen Kunden seien in ein Datenzentrum in der Schweiz überführt worden seien.

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