Wissenschaft und Industrie wollen „Zukunftsausgaben“ für FTI

Faßmann: Nicht in Selbstzufriedenheit verfallen (Archivbild) © APA/ROLAND SCHLAGER

Von der Grundlagenforschung über die Anwendungsforschung bis zur Industrie – die Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Austrian Institute of Technology (AIT) und die Industriellenvereinigung (IV) präsentierten am Freitag ihre Vorschläge zur Stärkung des heimischen Forschungsstandortes. Dabei unterstrichen sie einmal mehr die Notwendigkeit von „Zukunftsinvestitionen“ in Forschung, Technologie und Innovation (FTI) – sowie des Eintretens für die gemeinsamen Anliegen.

Das Gemeinsame sei entscheidend für den Erfolg, das „FTI-Ökosystem in Österreich“ weiter zu stärken und auszubauen, wie ÖAW, AIT und IV unterstrichen. Ihre mit Blick auf die Nationalratswahlen Ende September vorgestellte Liste der Vorschläge ist umfassend und repräsentiert damit auch – teils bekannte – Forderungen „entlang der gesamten Innovationskette“. Zentrales Anliegen war dabei eine klar wachstumsorientierte Finanzierung der Forschung.

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Mit Blick auf die Forschungsquote Österreichs – für heuer geht man von 3,34 Prozent aus – pochte ÖAW-Präsident Heinz Faßmann darauf, hier nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen, sondern sich an den Top-Staaten zu orientieren. So habe sich Finnland etwa bis 2030 das Ziel gesetzt, eine Forschungsquote von 4 Prozent zu erreichen – „ so gut wie Finnland könnte Österreich auch sein“. Auch die Forderung nach „3+3-Budgets“ und damit den Ausbau der dreijährigen Leistungsvereinbarungen „um einen zusätzlichen dreijährigen Finanzierungsausblick“ führte Faßmann einmal mehr ins Treffen.

Es gehe um Planungssicherheit, unterstrich auch Brigitte Bach, Sprecherin der AIT-Geschäftsführung. Man sei – auch aus Sicht Europas – zunehmend einer starken Konkurrenz mit Ländern wie den USA oder China ausgesetzt. Ein Fokus auf FTI könne die Basis für die notwendige Technologiesouveränität schaffen. Bach verwies etwa auf die volkswirtschaftliche Wirkung: Ein Euro in die Forschungsförderung erhöhe die F&E-Investitionen im Unternehmenssektor um 1,7 Euro und bewirke darüber hinaus zusätzliche Umsätze. Sie unterstrich den Nutzen von Forschungs- und Technologieorganisationen (RTOs) – als eine solche gilt das AIT – als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie und zur Stärkung des technologischen Ökosystems. Auch sei es zentral, dass sich Österreich verstärkt in EU-Aktivitäten einbringe und Beteiligungen an EU-Initiativen forciere.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), sprach sich – wie seine Vorredner – für eine Erhöhung des EU-Budgets für das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm (2028-2034) auf mindestens 200 Mrd. Euro aus. Mit Blick auf die Finanzierung der Forschung auf nationaler Ebene könne man zwar im Herbst eine angespannte Budgetsituation erwarten, es sei aber umso wichtiger, dass die Politik den bisherigen Finanzierungsweg weitergeht und stärkt. Dazu zähle auch die Sicherung des Fonds Zukunft Österreich für die Zeit nach 2025 bis mindestens 2030 und ein Ausbau auf etwa 200 Mio. Euro pro Jahr.

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„Die Kuh, die wir morgen melken wollen, müssen wir heute gut füttern“, unterstrich Faßmann einmal mehr, dass es sich hier um „Zukunftsausgaben“ handle. Es sei ein „Weckruf“, so Bach, man wolle die Diskussion mit Blick auf den Herbst „rechtzeitig beginnen“. Bisher habe die Politik, so Neumayer, einen guten Job gemacht. Sie müsse ihn aber auch weiter gut machen und dürfe insbesondere den Wachstumspfad nicht verlassen.

Als potenziell wichtige Zukunftsthemen nannten die Vertreter etwa Digitalisierung und Dekarbonisierung, die die verschiedensten Bereiche betreffen würden, aber etwa auch mit Blick auf die Grundlagenforschung die Quantenphysik und Beiträge zur Entwicklung von Quantencomputern. Klar sei aber auch, dass es viele weitere Themen gebe und insbesondere die Grundlagenforschung auch sehr offen gestaltet werden müsse.

Mit Blick auf die Hochschulen brachte Faßmann eine mögliche „neue Arbeitsteilung“ zwischen Universitäten und Fachhochschulen (FH) ins Spiel, mit einer stärkeren Verlagerung bzw. Akzentuierung von Ausbildungsleistungen an den FH und einer stärkeren Akzentuierung der Grundlagenforschung an den forschungsstarken Universitäten. Das Promotionsrecht für die FH sieht der ÖAW-Präsident nach wie vor kritisch. Es gehe darum „Stärken zu Stärken“, wobei die Stärken der FH aus seiner Sicht bei der anwendungsorientierten Forschung und arbeitsmarktorientierten Ausbildung lägen.

Gerade erst am Donnerstag hatte die Fachhochschul-Konferenz (FHK) über ihre zentralen, in Summe neun Forderungen an die Politik anlässlich der Nationalratswahl in einer Broschüre informiert, darunter ebenfalls eine laufende Wertanpassung des Budgets, der Ausbau von Kooperationen zwischen Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft, die Finanzierung von Masterstudien in den Gesundheits- und Sozialwissenschaften sowie das eigenständige Promotionsrecht von Fachhochschulen.

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