Islamismus-Import inklusive

Ukraine-Krieg macht Zentren des Politischen Islam zu umworbenen Partnern des Westens

Ein Schiff wird in Qatar mit Flüssiggas befüllt. Das Emirat hat die drittgrößten Gasreserven der Welt.
Ein Schiff wird in Qatar mit Flüssiggas befüllt. Das Emirat hat die drittgrößten Gasreserven der Welt. © Qatargas

Europa ist einig: Die wegen der Ukraine-Invasion verhängten Russland-Sanktionen erfordern an anderer Stelle zugedrückte Augen. Ein zu scharfer Blick auf die als Rohstofflieferanten oder geopolitische Partner umworbenen Staaten entlarvt nämlich einen Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

Pragmatismus ist angesagt, weil das übergeordnete Ziel — Europas Abnabelung vom Rohstofflieferanten Russland —mit lupenreinen Demokratien nicht zu erreichen sein wird. Auch in Österreich und Deutschland herrscht Konsens: Nicht einmal grüne Minister wie Leonore Gewessler und ihr deutscher Parteikollege Robert Habeck wurden gerügt, als sie in Katar für mehr fossile Brennstoffe wie Flüssiggas vorsprachen.

„Wir kritisieren diese Reise des Bundeswirtschaftsministers (Habeck, Anm.) ausdrücklich nicht“, meinte CDU-Oppositionsführer Friedrich Merz. Wenn sie dem Zweck der Unabhängigkeit von russischem Gas und Öl diene, „dann ist das bei aller Kritik, die wir unverändert an dem Regime in Katar haben, ein Weg, den wir konstruktiv begleiten“.

Partner mit „Eigenheiten“

„Man muss jetzt mit Partnern, die ihre Eigenheiten haben, sprechen“, hatte Habeck die Problematik euphemistisch beschrieben. Katars „Eigenheiten“ sind nicht nur verletzte Menschenrechte und Ausbeutung auf Baustellen der Fußball-WM-Stadien.

Seltener thematisiert wird eine Europa direkt tangierende Problematik: Beim Gaskauf in Katar ist der Islamismus quasi inklusive. Die von Emir Scheich Hamad al-Thani geführte Scharia-Monarchie im Osten der arabischen Halbinsel gilt als Zentrum und Hauptfinancier der extremistischen Muslimbruderschaft (MB). Über die Organisation „Qatar Charity“ werden Millionen an MB-Vereine in aller Welt verteilt, Europa ist Hauptzielgebiet.

Von Katar aus predigt MB-Chefideologe Yusuf al-Qaradawi, der den Holocaust zur gerechten Strafe Allahs erklärt hat und zum Terror gegen Israel aufruft. Seine islamistischen Thesen fallen auch in der Türkei auf fruchtbaren Boden und werden von dort weiterverbreitet — auch nach Österreich. Obwohl Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Motor dieser Islamisierungsoffensive ist, hat auch er gerade Schonzeit. So würdigte Bundespräsident Alexander van der Bellen nach einem Telefonat mit ihm „positive Entwicklungen in den bilateralen Beziehungen“. Vergessen sind Erdogans Hilfe für syrische Dschihadisten, die Drohgebärden gegen Griechenland und Zypern, das Mitwirken beim Überfall Aserbaidschans auf Armenien und die antisemitische/antiisraelische Politik. Niemand will den unsicheren Nato-Kantonisten in Putins Arme treiben.

Auch das mit Katar zwar verfeindete, als Islamismus-Exporteur aber ebenso bedeutende Saudi-Arabien erfreut sich äußerster Zurückhaltung des Westens. Katar hat die drittgrößten Gasreserven der Welt, Saudi-Arabien die sechstgrößten, dazu die zweitgrößten Ölreserven. Kein Wunder, dass Kronprinz Mohammed bin Salman kaum noch genervt wird mit Fragen zur Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vor dreieinhalb Jahren in Istanbul.

Islam-Expertin warnt

„Sich islamistischen Regimen anzudienen, um die Energieversorgung sicherzustellen, kann keine Alternative sein“, findet Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI). „Neue Abhängigkeiten von islamistischen Staaten werden die Zensur im Namen eines ‚antimuslimischen Rassismus‘ extrem befördern.“ Die dem wissenschaftlichen Beirat der österreichischen Dokustelle Politischer Islam angehörende Ethnologin meint damit die muslimbrüderliche Denunziation von Gegnern des Politischen Islam als „islamophobe Rassisten“. „Nimmt unsere Abhängigkeit von islamistischen Staaten als Energiepartner zu, steigt auch der Druck auf Kritiker des Islamismus“, so Schröter zum VOLKSBLATT.

Allerdings: Wer sich von Russland unabhängig machen will, kommt um Diktaturen nicht herum. Die zweitgrößten Gasreserven nach Russland hat die Mulllahkratie Iran…

Umso schärfer wird Europa auf der Jagd nach Öl und Gas sein unterentwickeltes Sensorium für islamistische Expansionsgelüste einstellen müssen.

Eine Analyse von Manfred Maurer

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