Ein Viertel der Eltern nutzt Home-Office für Ferienbetreuung

Viele Eltern plagen sich der Betreuung in den großen Ferien © APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

In Österreich haben die Schulen 14 Wochen im Jahr zu, Eltern in der Regel aber nur fünf Wochen Urlaubsanspruch. Für viele Eltern bedeute das, dass sie sich mit der Ferienorganisation „zersprageln“, kritisierte ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann am Freitag. So greift laut einer Foresight-Studie für die Arbeiterkammer (AK) ein Viertel der Eltern auf Home-Office zurück, um in den Sommerferien die Kinderbetreuung sicherzustellen. Schumann fordert einen Sommerbetreuungs-Gipfel.

Laut der Sonderbefragung zur Schulkostenstudie (1.021 befragte Eltern von Sechs- bis 19-Jährigen, 2,4 Prozentpunkte Schwankungsbreite) haben 81 Prozent bis Mitte Juni bereits die gesamten Ferien durchgeplant. Vier von zehn Befragten hatten dabei Schwierigkeiten, besonders Alleinerziehende und Eltern von Kindern mit Behinderung.

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Im Schnitt wird der Großteil der Betreuung (6 Wochen) von Familie und Bekannten übernommen, eine Woche verbringen die Kinder in öffentlicher Ferienbetreuung, eine Woche in Camps und eine Woche sind sie im Schnitt unbetreut daheim, wobei das vor allem ältere Schülerinnen und Schüler betrifft. Diese übernehmen auch laut 17 Prozent der Befragten selbst die Betreuung jüngeren Geschwister.

Zwei Wochen „Betreuungslücke“ haben die Eltern laut AK-Bildungsexpertin Elke Larcher bei der Befragung angegeben, für diese bräuchte es noch zusätzliche erlebnisorientierte, kostengünstige Angebote. Im Schnitt fallen laut Befragung für Betreuungsangebote im Sommer Kosten von insgesamt 415 Euro pro Kind an.

Für die Eltern bedeutet die Lücke zwischen Feriendauer und eigenem Urlaub, dass sie ihren Urlaubsanspruch, Überstunden und Zeitausgleich vorwiegend im Sommer konsumieren, (vermehrtes) Home-Office zur Betreuung nützen (Larcher: „ein Überbleibsel aus Covid“), aber auch Arbeitszeit reduzieren oder nicht in Vollzeit arbeiten können. Oft könnten Eltern auch keine gemeinsamen Ferien machen, weil sie ihren Urlaub so aufteilen müssen, dass die Betreuung sichergestellt ist, kritisierte Schumann.

Die Regierung könne nicht so tun, als handle es sich hierbei um ein individuelles Problem, betonte die ÖGB-Vizepräsidentin und verlangte einen Sommerbetreuungs-Gipfel mit Bund, Ländern und Gemeinden noch diesen Herbst, damit die Probleme bis nächsten Sommer gelöst seien. Aus ihrer Sicht notwendig wären mehr Geld und Personal für die Gemeinden, die meist für die Angebote zuständig sind, und ein einfacher Zugang zu Fördertöpfen, insbesondere für Kinder mit Behinderungen oder Kinder alleinerziehender Eltern – „damit sich alle Kinder schöne Ferien leisten können“. Außerdem forderte sie eine sechste Urlaubswoche und eine Garantie, dass Eltern schulpflichtiger Kinder drei Wochen am Stück freinehmen können.

Eine Debatte über kürzere Sommerferien ist für Schumann indes nicht notwendig. Die schulfreie Zeit brauche man zur Erholung, betonte sie. Larcher verwies auch auf Studien, wonach die neuen Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche in dieser Zeit abseits der Schule machen können, eine enorme Kompetenzentwicklung bringen können – wenn ihnen entsprechende leistbare erlebnispädagogische Angebote zur Verfügung stünden.

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