Video-Sprechstunde beim Arzt kommt 2026 flächendeckend

Der Besuch bei Arzt oder Ärztin wird künftig zunächst digital © APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Bund, Länder und Sozialversicherung haben ihre Schwerpunkte für die Digitalisierung des Gesundheitswesens am Mittwoch präsentiert. Ab 2026 sollen Arzttermine über die Hotline 1450 flächendeckend gebucht werden können, auch Videokonsultationen will man dann breit verfügbar machen. Finanziert wird all das mit jährlich 51 Mio. Euro aus der jüngsten Gesundheitsreform. Ebenfalls am Fahrplan: Die Einbindung sämtlicher Befunde und Bilder in die Gesundheitsakte ELGA samt eigener App.

Die Prioritäten für den Ausbau wurden in der „e-Health-Strategie Österreich“ erstmals von allen drei Playern gemeinsam erarbeitet und bis 2030 festgelegt. Gearbeitet werde gemeinsam und grenzüberschreitend nach dem Leitsatz „digital vor ambulant vor stationär“, führte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in einer Pressekonferenz in Wien aus: „Das sind Weichenstellungen, um die uns andere Länder in Europa durchaus beneiden.“

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Zentrale Infrastruktur für all das wird die bereits bestehende ELGA, die in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden soll. Medikamente, Vorerkrankungen und Laborbefunde sollen übersichtlich und möglichst vollständig abrufbar sein. Auch die Rettung und die Mitarbeiter von 1450 – das Service wird deutlich ausgebaut – können künftig für die Patienten in die Daten Einblick nehmen. Die Möglichkeit zum Opt-out bleibt dabei bestehen.

Menschen mit chronischen Erkrankungen sollen ab kommendem Jahr Gesundheits-Apps verschrieben bekommen können, die etwa Diabetes-Patienten bei der Ernährung helfen. Ähnliches soll beispielsweise auch bei Migräne oder bei der Nikotin-Entwöhnung kommen.

Wichtig laut Rauch: „Es muss den Patientinnen und Patienten nützen“, und Datensicherheit habe oberste Priorität. Wie bisher würden bereits vorhandene Datenbestände nur verknüpft und zugänglich gemacht. Keineswegs werde aber irgendwo ein zentraler „Datensilo“ geschaffen, versuchte er Befürchtungen auszuräumen.

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Auch die oberösterreichische Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) betonte, dass die Technologie den Menschen dienen müsse und nicht umgekehrt. In Oberösterreich arbeite man bereits an einem großen Gesundheitsportal unter Einbindung aller Krankenhäuser im Land. Es gebe bereits auch ein Pilotprojekt, wo das Einchecken bei 1450 dazu führe, dass man im Krankenhaus die Wartezeit verkürzen könne.

Andreas Huss, aktuell Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), würde mit der ELGA-App am liebsten schon per 1. Jänner 2025 starten – was bei den anderen beiden ob des großen Abstimmungsbedarfs für herzliches Gelächter sorgte. Er nannte als Vision, dass Patienten nicht mehr ein Sackerl voller Befunde und Röntgenbilder von Arzt zu Arzt tragen und ihre Krankengeschichte neu erzählen müssten. Zudem unterstrich er, dass ab 2025 die Kassenärzte, ab 2026 auch die Wahlärzte zur Diagnosecodierung verpflichtet werden. Letztere werden auch ans E-Card-System angebunden. Auch für die Wissenschaft sei dies wichtig, um aus den Gesundheitsdaten Erkenntnisse ziehen zu können.

Auch über einen Beschluss abseits des digitalen freute sich Huss: Der Verwaltungsrat der ÖGK hat am Dienstag ein Maßnahmenpaket zum Ausbau der psychosozialen Versorgung für die Versicherten beschlossen. Damit soll es nicht nur kassenfinanzierte Psychologen, sondern künftig auch multiprofessionelle psychosoziale Versorgungszentren in ganz Österreich geben. Fix ist letzteres aber noch nicht, denn zunächst muss dies Aufnahme in die Regionalen Strukturpläne der Länder finden.

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