Nach Unwettern in der Schweiz drei Personen vermisst

Schwere Unwetter in der Schweiz © APA/KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Nach schweren Unwettern sind im Schweizer Kanton Graubünden im Südosten des Landes vier Menschen verschüttet worden. Eine Frau habe am Samstagmorgen aus dem Schuttkegel bei dem Ort Lostallo nördlich des Comer Sees lebend gerettet werden können, berichtete die Kantonspolizei. Der Touristenort Zermatt am Matterhorn war wegen Hochwassergefahr von der Außenwelt abgeschnitten.

Nach den anderen drei Vermissten – einem Paar und einer älteren Frau – werde noch gesucht. Zuvor hatte ein Schuttkegel drei Häuser in Sorte, einem Ortsteil der Gemeinde Lostallo GR im Bündner Südtal Misox, verschüttet und vergrub vier Personen. Die gerettete Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Einsatzkräften an Ort und Stellen suchen mit Helikoptern und Drohnen weiter nach den Vermissten, sagte der Kommandant der Bündner Kantonspolizei, William Kloter. Die Lage der vermissten Personen sei nicht bekannt. Auch die Rettungshundeorganisation Redog sei mit fünf Hundeteams im Einsatz, schrieb die Organisation auf X.

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Über der Region gingen am Freitag schwere Gewitter nieder. Es gab heftige Niederschläge, Hochwasser und einen Bergsturz, wie die Kantonspolizei berichtete. Betroffen war vor allem das Tal Misox südlich des San-Bernardino-Passes an der italienischen Grenze. Dort seien mehrere Dutzend Menschen vorsorglich aus ihren Häusern gebracht worden. Straßen waren überschwemmt.

Graubünden erlebte nach Angaben des Wetterdienstes Meteonews 125 Millimeter Regen innerhalb von 24 Stunden. Sonst seien durchschnittlich 154 Milliliter im ganzen Juni üblich. Dazu kamen im gleichen Zeitraum mehr als 7.000 Blitze. Mancherorts traten Gewässer über die Ufer.

Fünf Dörfer des Bündner Tals hatten am Samstag keinen Strom mehr. In den betroffen Ortschaften war teilweise auch das Leitungswasser unterbrochen. Das Wasser war in allen betroffenen Dörfer Lostallo GR, Cabbiolo GR, Sorte GR, Arabella GR und Norantola GR nicht trinkbar, wie Kloter auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Wann der Strom zurückkehre, war nicht bekannt.

Die Polizei warnte davor, Keller oder Tiefgaragen zu betreten und rief die Bevölkerung auf, sich von den Hochwasser führenden Gewässern fernzuhalten. Ein Autobahnstück an der Grenze zu Italien musste wegen eines Erdrutsches gesperrt werden.

In Zermatt im Kanton Wallis waren am Freitag zwei Flüsschen über die Ufer getreten. Die Zugstrecke blieb wegen der Hochwassergefahr gesperrt, wie die Matterhorn-Gotthard-Bahn am Samstagmorgen mitteilte. Auch die Straße in den Ort war gesperrt. Im Ort selbst waren am über die Ufer getretenen Bach gelegene Straßen gesperrt. Bürgermeisterin Romy Biner-Hauser sagte im Schweizer Fernsehen, alle Feriengäste seien in Sicherheit. Wer nicht an- oder abreisen könne, erhalte eine Unterkunft. Die Hauptgeschäftsstraße sei nicht betroffen, und Restaurants und Geschäfte geöffnet, sagte eine Mitarbeiterin des Tourismusbüros.

Auch am Bodensee im Norden des Landes und entlang der Rhone vor dem Eintritt in der Genfersee war Hochwassergefahr. Laut dem staatlichen Naturgefahrenportal galt dort die Warnstufe 4 von 5. Menschen waren aufgerufen, sich von Ufern fernzuhalten. Schon Anfang Juni war die Schweiz von Hochwasser betroffen, allerdings in anderen Regionen.

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